Das Leben danach...

Life! Im Forum Schuldenprobleme werden sachbezogene Fragen rund ums Thema Ver- und Überschuldung diskutiert. Da es für für Schuldner daneben viele Themen gibt, die nicht direkt mit diesen Sachfragen oder Informationen zu tun haben, sondern mit persönlichen, sozialen, familiären oder beruflichen Ursachen und Folgen der Ver- und Überschuldung, haben wir dieses Forum eingerichtet. Im Forum Life! können z.B. diese Themen diskutiert werden: Schulden belasten oft Beziehungen und Partnerschaften: Wie wird man damit fertig? Oder mit dem Druck, wenn Schulden eines Partners eine neue Beziehung von Anfang an belasten? Lebenspraktische Erfahrungen: Wie vermittelt man z.B. den Kindern, dass das mit den Nike-Schuhen nicht geht? Wie wird man selbst damit fertig, wenn man auf einiges verzichten muss? Konsum und Verhältnis zu Geld: Hat sich meine Einstellung zu Geld und Konsum durch die Überschuldung geändert? Kochrezepte für die letzten '3 Tage vor dem Ersten' und andere Tipps , die den eh' schon schmalen Geldbeutel entlasten helfen.
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Käsebrot
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Re: Das Leben danach...

Beitrag von Käsebrot »

tidus82 hat geschrieben: 13. Jan 2021, 10:46 Bafög ist doch auch Restschuldbefreit .. :/ Warum hast du das bezahlt?
Auch die manchmal vergessenen Gläubiger sind von der RSB umfasst - das hättest du nicht zahlen müssen.

Aber gut - es ist jetzt so.
Das Problem war, dass die Angst davor, deswegen am Ende rückwirkend die RSB versagt zu bekommen, größer war, als auf die 336€ zu verzichten. Hatte hierzu auch eine Frage im Forum gestellt. Mir ist bis heute selber schleierhaft, wie das unter den Tisch fallen konnte. Der Studienkredit wurde von gleicher Stelle aber einer anderen Abteilung eingetrieben, der war drin. Das Bafög nicht. Ich wüsste auch nicht, in den Vorbereitungen jemals danach gefragt worden zu sein. Jedenfalls flatterte im Herbst Post in‘s Haus, einmal über die Kosten für die Ermittlung meiner Adresse und dann eben über die Rückzahlung.


@Caffery
Wenn ich so darüber nachdenke, war Sparen bei uns in der Familie nie Thema. Es gab zwar keine größeren Geldsorgen, aber den richtigen Umgang habe ich nie gelernt. Ich bekam zwar bei Weitem nicht alles, was ich wollte, schlecht ging es mir trotzdem nicht.
Und ja, im Grunde kann ich schon sagen, dass ich ein bisschen was gelernt hab und jetzt nochmal zusätzlich etwas lernen kann. So war es mir trotz PI im Mai z. B. möglich, einen neuen Laptop anzuschaffen, den ich benötigte, eben weil ich vorher etwas beiseite gelegt hatte. Vor ein paar Jahren hätte das sicher noch ganz anders ausgeschaut. Die Tierarzt-Rechnung tat auch weh, war aber zu bezahlen ohne woanders zwingend etwas weglassen zu müssen.

Die sechs Wochen Ende des Jahres, die ich daheim war, waren dafür ziemlich teuer, weil ich aus Langeweile zu viel Geld ausgegeben hab (die Filtermaschine kann leider keinen Latte macchiato kochen und in der Arbeit war ich ja nicht :mrgreen: )

Vielleicht muss dieser nochmalige Reset jetzt einfach sein, um endgültig durchstarten zu können.
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Ruhrpottmensch
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Re: Das Leben danach...

Beitrag von Ruhrpottmensch »

Was die "Sorgen" auch nach der Inso angeht, kann ich es sicherlich verstehen.
Man lebte ja eben eine ganze Zeit (in & vor der Inso) in mehr oder weniger prekären Umständen. Nicht wenige müssen/mussten jeden Cent "umdrehen". Dass da die Angst noch ein wenig "mitgenommen" wird, scheint durchaus verständlich.

Zumal "Angst" (im gesunden Rahmen) ja durchaus auch ein guter "Berater" sein kann.
Das man sich nach der Inso auch noch Gedanken um das Geld macht, guckt wie man "umschichten" kann und/oder finanziell "umdenkt" um (wieder) Rücklagen bilden zu können, empfinde ich als durchaus angenehmen Wesenszug.

Ich selbst habe zum Beispiel durchaus Sorgen, das ich mit Ende der Inso unbemerkt wieder in alte Verhaltensweisen rutschen könnte. Da hoffe ich als durchaus auf einen "ängstlichen Berater" an meiner Seite, der -ähnlich wie Du- mir den Kopf ein wenig wäscht und mich dann auch nach Ende der Inso ständig dran erinnert, auf das liebe Geld etwas (mehr) zu achten...
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tidus82
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Re: Das Leben danach...

Beitrag von tidus82 »

Das ist ein schöner Beitrag Ruhrpottmensch <3 Danke dafür!
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Käsebrot
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Re: Das Leben danach...

Beitrag von Käsebrot »

Ruhrpottmensch hat geschrieben: 14. Jan 2021, 09:51 Ich selbst habe zum Beispiel durchaus Sorgen, das ich mit Ende der Inso unbemerkt wieder in alte Verhaltensweisen rutschen könnte. Da hoffe ich als durchaus auf einen "ängstlichen Berater" an meiner Seite, der -ähnlich wie Du- mir den Kopf ein wenig wäscht und mich dann auch nach Ende der Inso ständig dran erinnert, auf das liebe Geld etwas (mehr) zu achten...
Diese Sorge umtreibt mich momentan auch sehr, in erster Linie momentan bezüglich meines fahrbaren Untersatzes. Dass ich keinen Neuwagen fahre stört mich gar nicht, weil ich zwischenzeitlich auch in puncto Nachhaltigkeit anders denke. Aber was mache ich, wenn er trotz TÜV doch die Grätsche macht und mir dann nichts anderes mehr bleibt als mir Geld zu leihen, was mit der versauten Schufa aber ja noch gar nicht wieder geht? Zumindest zu vernünftigen Konditionen.

Was ich im Dezember allerdings gemerkt habe (und das ist ja irgendwie doch wiederum ein gutes Zeichen), ist, dass Geld ausgeben keine Befriedigung verschafft. Zumindest gerade nicht. Zugegeben, vieles war wirklich der Langeweile geschuldet (krank geschrieben und im Teil-Lockdown dann nahezu handlungsunfähig, kaum Sozialkontakte, kein Café, keine Sauna, kein Gar nichts...), aber egal was ich gekauft hab, es hat mich nicht glücklicher gemacht. Es war allenfalls nötig, so wie die neue Arbeitsplatte oder der Schrank für meine Küche z. B. Es hat sich gut angefühlt, das angehen zu können, aber wenn ich dieses Geld nicht hätte ausgeben können, wäre es am Ende auch nicht schlimm gewesen.
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Ruhrpottmensch
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Re: Das Leben danach...

Beitrag von Ruhrpottmensch »

Das "heilige Blechle" ist halt auch für uns (Ex)Insolaner immer noch ein sehr hohes Gut...
Kann Dich da sehr gut verstehen, dass einem diese "Angst" im Nacken sitzt.

Auch da wieder aus eigener Erfahrung:
Ich war ja bis zur Inso ein ziemlich verwöhnter "Autofahrer". Immer entweder ein eigenes oder zumindest ein Dienstfahrzeug welches ich uneingeschränkt auch privat nutzen konnte. Mit der Inso bzw. dem Jobverlust war das natürlich alles "weg". Und ich muss zugeben, mir ist vor Beginn und in der ersten Zeit der Inso, echt "der Arsch auf Grundeis" gegangen. War ich doch nicht mehr uneingeschränkt mobil... 😧

Nach inzwischen drei Jahren ohne "eigene Karre" denke ich da aber auch anders...
Ich fahre seit Jahrzehnten (?!?) wieder ÖPNV und kann mir -zugegeben das ist sicherlich etwas privilegiert- in der Familie für längere Strecken ein Fahrzeug eigentlich jederzeit "ausleihen". Und komme damit in den letzten Jahren echt gut hin (Natürlich hab auch ich ab & zu den Wunsch wieder ein eigenes Fahrzeug zu haben).

Ich sehe das inzwischen auch etwas "sportlich". Für mich (mitten in der Inso) gehört das halt zu den Entbehrungen einer Inso dazu. Umso mehr freue ich mich auf die Zeit, in der ich mir eventuell wieder ein eigenes Fahrzeug "leisten kann". Ich bin mal gespannt, ob es ein ähnliches Gefühl wie damals mit 18 und dem ersten eigenen Auto ist... ;)

Lange Rede, kurzer Sinn:
Auch wenn das sicherlich nicht "allgemeingültig" ist und ich Deine Sorgen absolut nachvollziehen kann... Aber wie Du schon schreibst, eine Inso ändert wohl bei vielen Menschen auch in der "Zeit danach" das Denken und Empfinden. Von daher... Positiv denken: Wer Nachhaltig lebt (eine "alte Gurken" fährt anstatt der dicken Poserkarre), der wird auch von dieser "alten Gurke" belohnt und noch eine lange Zeit begleitet... ;)
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Käsebrot
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Re: Das Leben danach...

Beitrag von Käsebrot »

Ich geh da völlig mit dir und würde ich noch so wohnen, dass ich den ÖPNV sinnvoll nutzen kann, wäre das mit der fehlenden individuellen Mobilität sicher was ganz anderes. In der Großstadt gibt es auch diverse Car sharing-Angebote, falls es keine Familie in der Nähe gibt. Dafür genieße ich - gerade jetzt um so mehr - die Vorzüge des Landlebens. Und die wirken sich dann wiederum nachteilig auf den ÖPNV aus.

An Werktagen könnte ich evtl. sogar zum Nachtdienst öffentlich fahren, eineinhalb Stunden für knapp 30 km. Plus Fußwege. Bei gerade mal 12 Stunden zwischen zwei Schichten sehr attraktiv.

Einkaufen ginge sicher auch, wenn ich einen Halbtagesausflug dafür ansetze. Das für den Tank gesparte Geld landet dann in einer Kaffeetasse, bis der nächste Bus fährt.

Natürlich könnte man jetzt auch fragen, warum man sich dann eine Wohnung sucht in dieser Lage, aber ich denke, die Problematik mit den Mietpreisen in den Ballungsräumen ist inzwischen hinreichend bekannt. Da sind mir die Abstriche beim Nahverkehr und den zugehörigen Risiken bei der Mobilität am Ende doch sympathischer.
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AdiDana
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Re: Das Leben danach...

Beitrag von AdiDana »

Ich kenne das Gefühl und kann es total nachvollziehen. Bin jetzt fast auf den Tag genau 2 Jahre aus der Insolvenz draußen. Habe damals nächtelang wach gelegen und richtig Angst vorm "normalen" Leben gehabt. Plötzlich blieb am Monatsende was übrig und ich durfte offiziell sparen. Das kannte ich mein ganzes Leben nicht. Habe dann mit kleinen Beträgen angefangen und dann ging nach ein paar Monaten innerhalb einer Woche Waschmaschine und Spülmaschine kaputt. Geld futsch. Weiter gespart, dann wurde der Kater totkrank. 1200 Euro Tierarztkosten wegen stationärer Aufnahme, Infusionen, Röntgen, Medikamente. Er hat es geschafft und ich auch.
Habe Tränen vergossen und das Gefühl ich fange immer wieder bei Null an, aber dann habe ich versucht positiv zu denken. Ich musste keine Schulden machen und konnte das einfach so bezahlen. :-)

Bin wieder dabei mir einen Notgroschen aufzubauen, mein Auto ist alt, ich lebe auf dem Land, Arbeit in der nächsten größeren Stadt und deswegen ist das Auto unabdingbar. Aber ich habe ja gelernt mit weniger klar zu kommen, habe einige Spartricks beibehalten und hoffe einfach das ich genug Geld für eine neuen gebrauchten habe, wenn es soweit ist.
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Tommnopp
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Re: Das Leben danach...

Beitrag von Tommnopp »

Ich hätte das damals nicht ohne die Unterstützung meiner Eltern geschafft. Hat zwar auch alles um die 5 Jahre gedauert aber irgendwann war ich dann wieder auf Null. Das beste Gefühl was ich je hatte. :)
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Käsebrot
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Re: Das Leben danach...

Beitrag von Käsebrot »

Und irgendwie sitze ich jetzt da und kann es nicht so richtig fassen, dass mir - nach Abzug aller Kosten, die mir jetzt so einfallen, inkl. Sparschwein - ein guter mittlerer dreistelliger Betrag übrig bleiben soll. Zzgl. dem, was ich schon vom letzten Gehalt als erstes Haushaltsgeld für diesen Monat im Geldbeutel hab.

Das erste Mal seit langem, wenn nicht sogar das erste Mal in meinem Leben, in dem ich finanziell so beruhigt war wie jetzt!

(Das Auto verhält sich derzeit brav und anständig, also pscht...)
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arreis
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Re: Das Leben danach...

Beitrag von arreis »

@ Käsebrot

Anstatt in Ängste zu verfallen, hau Dir selbst auf die Schulter und sei stolz auf Dich !!
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