Mahnbescheid bekommen Jobwechsel

arugambay
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Re: Mahnbescheid bekommen Jobwechsel

Beitrag von arugambay » 17. Jan 2020, 17:25

Danke für deine Antwort tidus82. Die Frage stellt sich mir aber auch für was es denn überhaupt die Möglichkeit eines Vergleiches gibt wenn alle lieber Pfänden als sich zu einigen?

Warum sind dann in der Vergangenheit trotz dessen so viele Vergleiche geschlossen worden bei manchen Schuldnern?

Warum sollte es z.B einer Sparkasse lieber sein bei einer Inso für 35.000 Euro Schulden monatlich 5 Jahre lang nur 50 Euro zu erhalten als z.B 50% der Forderungen oder mehr zu erhalten durch einen Vergleich?
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caffery
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Re: Mahnbescheid bekommen Jobwechsel

Beitrag von caffery » 17. Jan 2020, 17:27

Du hast einfach an zu vielen Stellen falsche Vorstellungen.
arugambay hat geschrieben:
17. Jan 2020, 17:09
Gehe ich in eine Insolvenz und habe während das Verfahren läuft die Möglichkeit eine neue/besser bezahlte Stelle zu bekommen, nützt mir diese nicht viel, da mir das bessere Gehalt natürlich auch bis zum Freibetrag gepfändet wird
1. Der Gesetzgeber hat dafür Freibeträge erdacht, die Dir dennoch die Möglichkeit geben ein vernünfiges Leben zu führen. Diese Freibeträge sind ganz erheblich höher, als der SGB II Satz und auch höher als das Mindestlohnniveau einer Vollzeitstelle.
2. Was glaubst Du denn auf was für eine Vereinbarung sich Gläubiger außerhalb des Verfahrens einlassen würden? Meinst Du, Du kannst denen sagen "Ich bin zwar zu 500 Euro pfändbar, biete aber nur 100 Euro an, da mir sonst "meine besser bezahlte Stelle nichts nützt"?
Natürlich nicht! Kein Gläubiger wird sich auf eine Einigung einlassen, die Quotal auf eine geringe Zahlung aufbaut als Dein pfändbarer Betrag.
arugambay hat geschrieben:
17. Jan 2020, 17:09
und somit wäre doch jede Anstrengung eine neue/bessere Stelle zu bekommen für mindestens 5 Jahre vergebens. Es kann doch bei solch einem Fall nicht immer nur als einzige Möglichkeit eine PI in Frage kommen oder?
Wieso denn vergebens? Ich verstehe das wirklich nicht.
Außerdem gibt es auch in Insolvenzverfahren Gestaltungsmöglichkeiten. 3 Jahre, Insolvenzvergleich, Insolvenzplan. Das muss nicht unbedingt 5 Jahre dauern.
arugambay hat geschrieben:
17. Jan 2020, 17:09
Es kann doch bei solch einem Fall nicht immer nur als einzige Möglichkeit eine PI in Frage kommen oder?
Das Prinzip ist doch ganz einfach. Es gibt keine "mächtigere" Weise für einen Schuldenregulierungsversuch als einen außergerichtlichen Einigungsversuch im Rahmen der Insolvenzordnung. Im Prinzip die einzige Regel dafür lautet, dass man mindestens das anbieten muss, was ohnehin pfändbar ist.
Wenn man "freiwiliig" etwas mehr als das anbietet, hat er natürlich mehr Aussicht auf Erfolg.
Wenn dieser Einigungsversuch dann nicht funktioniert, kannst Du ins Insolvenzverfahren - oder eben bist mit Deinen Gläubigern wieder auf Dich gestellt.
arugambay hat geschrieben:
17. Jan 2020, 17:25
Warum sind dann in der Vergangenheit trotz dessen so viele Vergleiche geschlossen worden bei manchen Schuldnern?
Wie gesagt: Weil das Angebot besser war als das, was ohnehin pfändbar gewesen wäre.

Weil Du nicht müde wirst zu sagen, dass sich für Dich (mehr) Geld verdienen im Prinzip nicht lohnt wenn Du Dein pfändbares abgeben musst, kommt das für DIch scheinbar nicht in Frage.
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arugambay
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Re: Mahnbescheid bekommen Jobwechsel

Beitrag von arugambay » 17. Jan 2020, 17:56

Der letzte Teil ist mir doch auch etwas unverständlich.

Wenn ein Schuldner sagen wir mal bis 200 Euro Pfändbar wäre in einer PI und Ihm würden dann nur noch knapp 1300 Euro zum leben bleiben. Warum sollte er dann nochmal zum Beispiel 100 Euro mehr anbieten um sich außergerichtlich zu einigen wenn er dann nur noch 1200 Euro zum leben hat was ja weniger ist als in einer PI?

Versteh mich bitte nicht falsch ich habe einfach höllische Angst vor dem ganzen und möchte mich nicht einfach mit einer PI geschlagen geben.

In Deutschland besteht einfach nicht die Möglichkeit für eine Verbesserung im Job. In der Schweiz schon. Ich habe dort ja etwas in Aussicht aber müsste dazu Fahren und wenn in einer PI bin dann kann ich diesen Job nicht ausüben weil ich es mir quasi nicht leisten kann, weil das "Arbeiten dort zu teuer" ist.

Ich wäre gezwungen in meinem unglücklichen Job hier zu bleiben. Ich habe gehört man kann während einer PI durchaus in die Schweiz zum arbeiten gehen aber ich würde trotzdem mit meinen Franken bis auf 1200 Euro gepfändet werden und wie viel das in der Schweiz ist, sprich was das dort in Zahlen beutet weiß man ja. Das bedeutet ich könnte mir aufgrund der Abzüge nicht mal das Arbeiten leisten. Überdies wird man sehr wahscheinlich nicht eingestellt wenn man sich in einer PI befindet. Jobsuche erschwert, Wohnugssuche erschwert.
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Re: Mahnbescheid bekommen Jobwechsel

Beitrag von caffery » 17. Jan 2020, 18:07

arugambay hat geschrieben:
17. Jan 2020, 17:56
Wenn ein Schuldner sagen wir mal bis 200 Euro Pfändbar wäre in einer PI und Ihm würden dann nur noch knapp 1300 Euro zum leben bleiben. Warum sollte er dann nochmal zum Beispiel 100 Euro mehr anbieten um sich außergerichtlich zu einigen wenn er dann nur noch 1200 Euro zum leben hat was ja weniger ist als in einer PI?
Es geht um die Laufzeit.

Ein vereinfachtes Beispiel:
Du hast 50.000 Euro Schulden und 200 Euro pfändbares Einkommen.
Ohne PI oder erfolgreiche Einigung würdest Du (exklusive laufende Zinsen und Kosten) knapp 21 Jahre brauchen um das zu tilgen. (200x12x21=50400). Inklusive Zinsen und Kosten wahrscheinlich eher ca. 30 bis 35 Jahre.

Im außergerichtlichen Einigungsversuch bietet man einen Vergleichsbetrag im Normalfall nur für die Laufzeit an, die ein Verfahren voraussichtlich dauern würde. Geht man von 5 Jahren aus und "erhöht" auf 300 Euro monatlich wäre die Rechnung 300x12x5=18000. Da die Einigung eine Festschreibung beinhalten würde, gäbe es zudem keine laufenden Zinsen und Kosten mehr. Die Nummer wäre nach 5 Jahren zahlen durch und Du Schuldenfrei.
Du hättest also ausgenommen Zinsen und Kosten bei diesem Beispiel 32.000 Euro "gespart"... wenns klappt;)

Wenn nicht, kannst Du die Insolvenzeröffnung beantragen und es wird "noch billiger" (wenn alles so bleibt wie es ist).
200x12x5=12000.
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Re: Mahnbescheid bekommen Jobwechsel

Beitrag von vella » 20. Jan 2020, 10:25

Hi,

am besten du informierst dich mal ein wenig über die PI und liest dir hier ein paar Beiträge durch, vielleicht ändert sich dann deine Einstellung ihr gegenüber. Das ist evtl der einfachste und beste Weg um aus deinen Schulden rauskommen.

LG
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caffery
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Re: Mahnbescheid bekommen Jobwechsel

Beitrag von caffery » 20. Jan 2020, 11:13

Es geht mir ja überhaupt nicht darum, den TE unbedingt zu einer Insolvenzeröffnung zu "belabern". Es geht darum, dass man keine Optionen ausschließen sollte (schon garnicht gegenüber Gläubigern) UND vor allem darum, den bestmöglichen Regulierungsweg zu wählen...

... und da gibt es nunmal keinen erfolgversprechenden als den des außergerichtlichen Einigungsversuchs im Rahmen der Insolvenzordnung. Nach dem Motto "friss oder stirb";) Nur darauf reagieren viele Inkassos überhaupt.
Auf "schnöde" Einzel-Vergleichs-Frickel-Versuche" der Schuldner selbst - die keinerlei Kriterien erfüllen wird vermutlich fast durchgehend allenfalls müde gelächelt. Nicht selten hat das bei Inkassos sogar den gegenteiligen Effekt.
Nach dem Motto: "Der Schuldner will die Forderung ganz dringend weghaben, hat keine Hilfe und wir sowieso mehr Ahnung und sitzen hier am längeren Hebel. Also erhöhen wir einfach mal den Druck!"
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Re: Mahnbescheid bekommen Jobwechsel

Beitrag von arugambay » 21. Jan 2020, 15:10

Vielen Dank nochmal für die Antworten. Natürlich möchte ich keinen Lösungsweg ausschlagen, ich meinte nur dass für mich die PI wirklich die letzte Option wäre. Ich habe nochmal eine Frage ob Ihr wisst wie sich folgender Sachverhalt darstellen würde:

Angenommen ich bin demnächst bei der Schuldnerberatung und in dieser Zeit bekomme ich einen neuen Job als Grenzgänger in der Schweiz. Ich arbeite dann eine Weile und die PI steht an und wird beantragt. Mit meinem Gehalt muss ich die relativ hohen Fahrtkosten bezahlen und die Steuern in Deutschland und in der Schweiz. Was passiert, wenn mein Monatlicher Freibetrag in der PI nicht reicht um die monatlichen Kosten für meine Arbeitsstelle zu decken? Kann man für so etwas auch eine Erhöhung beantragen oder wird diese abgelehnt?

Mir wäre es sonst ja nicht möglich meine Arbeit aus zu üben weil ich es mir praktisch nicht leisten kann so lange zum arbeiten zu fahren. Wie entscheidet das Gericht in solch einem Fall wenn der Freibetrag nicht ausreicht um die Kosten zu decken? Muss ich mir dann eine neue Arbeit suchen?

Grüße und danke schon mal für die Antworten

arugambay
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gurami
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Re: Mahnbescheid bekommen Jobwechsel

Beitrag von gurami » 21. Jan 2020, 15:35

Ich würde mir ehrlich gesagt die gleiche Frage stellen wenn Du nicht in die PI gehst, die Gläubiger anklingeln und Du in der gleichen Situation stehst. Nur mit dem Unterschied das die alle Pfänden dürfen und nicht geregelt wäre. Das würde Deine Schulden ja nicht einmal reduzieren, ganz im Gegenteil. Und Du hättest auch das Geld nicht mehr um die Kosten zu zahlen was Dein Job kosten würde. Ganz zu schweigen von dem Ärger den Dein Schweizer Arbeitgeber dann hätte mit mehreren Pfändungen.
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Re: Mahnbescheid bekommen Jobwechsel

Beitrag von MrsRob » 21. Jan 2020, 16:29

Zu Deiner Frage, wie ein Gericht ggf. entscheiden würde, kann ich mangels Erfahrung nichts beitragen
(ausser: " ... vor Gericht und auf Hoher See ist man in Gottes Hand!") .

Aber wenn man schon nach 1 Min guggln herausfindet, das Grenzgängern in der Schweiz 4,5% vom Bruttolohn als 'Quellensteuer' vom Arbeitgeber zwar einbehalten werden, diese aber auf die deutsche Steuerschuld angerechnet werden, s.:

http://www.grenzgänger-service.net/steu ... C3%A4nger/

dann musst Du Dir vermutlich bessere Argumente fürs Gericht zwecks Erhöhung des Pfandfreien einfallen lassen.
Zumal der Sprit in der Schweiz idR etwas günstiger ist als in D.
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Re: Mahnbescheid bekommen Jobwechsel

Beitrag von arugambay » 24. Jan 2020, 13:53

Danke für die zahlreichen Antworten. Wie verhält es sich denn mit meiner Rechtsschutzversicherung. Ich würde gerne einen Anwalt beauftragen und dieser hat mir ein Angebot gemacht. Es würde mich mit meiner Gläubigeranzahl und der Beratung. Ausgrl.-Vergleich und bei scheitern dessen Einleitung Insolvenz knapp 1200 Kosten. Jetzt ist die Frage ob einer weiß, ob Rechts-Versicherungen in Insolvenz Themen auch den Anwalt bezahlen. Versicherungen ziehen sich ja gerne mal raus wenn Sie die rechtlichen Möglichkeiten haben.

Liebe Grüße
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