Fragen zu Schulden, möglicher Privatinsolvenz und Optionen (ca. 60k+ €)

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soyyhd22
Neuankömmling
Beiträge: 2
Registriert: 15. Jun 2026, 15:32

Fragen zu Schulden, möglicher Privatinsolvenz und Optionen (ca. 60k+ €)

Beitrag von soyyhd22 »

Hallo zusammen,

ich habe eine Frage zu der finanziellen Situation eines Freundes und hoffe auf eure Einschätzungen.

Ein Freund (Anfang bis Mitte 40) hatte früher ein stabiles Berufsleben ohne Schuldenprobleme. Nach mehreren privaten Belastungen (Trennung, gesundheitliche Probleme) hat er gegen Ende seines letzten Jobs Kredite und Kreditkarten aufgenommen, um eine Selbstständigkeit zu starten.

Diese Pläne hat er später verworfen und stattdessen mit Krypto/Trading (teilweise gehebelte Produkte) gehandelt und dabei über einige Wochen fast sein gesamtes geliehenes Kapital verloren.

Seitdem (ca. 1-2 Jahre) arbeitet er nicht mehr regulär und hat sich nur grob mit dem Thema Privatinsolvenz beschäftigt. Es gab wohl 1-2 Termine bei einer Schuldnerberatung sowie einen Gerichtstermin zur finanziellen Lage, danach ist jedoch nichts weiter passiert.

Er lebt aktuell von Sozialleistungen, lebt allein, seit einigen Jahren getrennt (aber meines Wissens nicht geschieden). Es bestehen vermutlich Schulden in Höhe einer hohen fünfstelligen Summe (ca. 60.000–100.000 €) bei mehreren Gläubigern (hauptsächlich Banken/Kreditkarten, evtl. BAföG und evtl. kleinere Steuerschulden). Ob bereits Vollstreckungstitel bestehen, ist mir nicht bekannt.

Er würde außergerichtliche Einigungen oder einen Insolvenzplan einer Privatinsolvenz deutlich vorziehen.

Gleichzeitig lehnt er Unterstützung (im Sinne von Ratschlägen) aus dem Freundeskreis ab. Die Familie weiß nichts davon. Zusätzlich denkt er über Auswanderung und Selbstständigkeit nach.

Meine Fragen:
•Wie realistisch sind außergerichtliche Einigungen oder ein Insolvenzplan in so einer Situation?
•Was passiert typischerweise, wenn über längere Zeit nichts unternommen wird, welche Risiken entstehen dadurch und ist der aktuelle Zeitraum bereits kritisch?
•Wie realistisch sind Selbstständigkeit oder Auswanderung in dieser Lage (auch im Hinblick auf eine mögliche Privatinsolvenz)?
•Kann man während einer Privatinsolvenz Geld ansparen?
•Ich habe gelesen, dass bei bestimmten Ursachen der Verschuldung (zB. bei Trading oder Glücksspiel) die Restschuldbefreiung problematisch sein kann. Ist das korrekt?
•Was wäre aus eurer Sicht der sinnvollste nächste Schritt?

Ich kenne nicht alle Details, einige Angaben beruhen auf meiner Einschätzung bzw. dem, was mir erzählt wurde.

Vielen Dank für eure Einschätzungen.
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Beiträge: 263
Registriert: 26. Jan 2020

Re: Fragen zu Schulden, möglicher Privatinsolvenz und Optionen (ca. 60k+ €)

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Hi soyyhd22,

gute Frage, hast du schonmal bei dem Thema "Fragen zu Schulden, möglicher Privatinsolvenz und Optionen (ca. 60k+ €)" geschaut?
caffery
praktischer Schuldnerberater
Beiträge: 2885
Registriert: 13. Aug 2018, 20:45

Re: Fragen zu Schulden, möglicher Privatinsolvenz und Optionen (ca. 60k+ €)

Beitrag von caffery »

Ich frag mal für nen Freund...
soyyhd22 hat geschrieben: 15. Jun 2026, 16:24
•Wie realistisch sind außergerichtliche Einigungen oder ein Insolvenzplan in so einer Situation?
Ausm Existenzminimum ein realistischer Vergleich für ein 100 Riesen Schuldenportfolio? Die Frage war nicht wirklich ernst gemeint, oder?
soyyhd22 hat geschrieben: 15. Jun 2026, 16:24 •Was passiert typischerweise, wenn über längere Zeit nichts unternommen wird, welche Risiken entstehen dadurch und ist der aktuelle Zeitraum bereits kritisch?
Wenn die Vermögensauskunft abgegeben wird und kein Vermögen vorhanden ist passiert außer Kontopfändung, Briefgewitter und Zerstörung der Bonität im Wesentlichen nix.
Sonst is da nix kritisch.
soyyhd22 hat geschrieben: 15. Jun 2026, 16:24 •Wie realistisch sind Selbstständigkeit oder Auswanderung in dieser Lage (auch im Hinblick auf eine mögliche Privatinsolvenz)?
Reisende soll man nicht aufhalten. Für ein Insolvenzverfahren in Deutschland muss er aber hier leben.
Eine Selbständigkeit bei den genannten Parametern ist mit an Sicherheit grenzender Sicherheit Kokolores.
soyyhd22 hat geschrieben: 15. Jun 2026, 16:24 •Kann man während einer Privatinsolvenz Geld ansparen?
Nein
soyyhd22 hat geschrieben: 15. Jun 2026, 16:24 •Ich habe gelesen, dass bei bestimmten Ursachen der Verschuldung (zB. bei Trading oder Glücksspiel) die Restschuldbefreiung problematisch sein kann. Ist das korrekt?
So ganz allgemein gesagt: Ja - unter Umständen.
soyyhd22 hat geschrieben: 15. Jun 2026, 16:24 •Was wäre aus eurer Sicht der sinnvollste nächste Schritt?
Meine Glaskugel sagt: Problemerkenntnis, dann ggf. sowas wie ne Therapie oder Reha und dann Wiedereingliederung in den (nicht selbständigen) Arbeitsmarkt.
TomH
Wissender
Beiträge: 300
Registriert: 9. Sep 2025, 18:24

Re: Fragen zu Schulden, möglicher Privatinsolvenz und Optionen (ca. 60k+ €)

Beitrag von TomH »

Sehe ich kpl. auch so, Danke für die erhellenden Antworten.
Vllt. zur Verständigung von Frage 2: es käme u.U. zu der Aufforderung der Abgabe der Vermögensauskunft (et al.).
TG25
Fortgeschrittener
Beiträge: 35
Registriert: 14. Nov 2025, 17:18

Re: Fragen zu Schulden, möglicher Privatinsolvenz und Optionen (ca. 60k+ €)

Beitrag von TG25 »

caffery hat geschrieben: 15. Jun 2026, 16:41
soyyhd22 hat geschrieben: 15. Jun 2026, 16:24 •Ich habe gelesen, dass bei bestimmten Ursachen der Verschuldung (zB. bei Trading oder Glücksspiel) die Restschuldbefreiung problematisch sein kann. Ist das korrekt?
So ganz allgemein gesagt: Ja - unter Umständen.

Wohl auch nur wenn Gläubiger es darauf ankommen lassen und eine vbuh anmelden, (Stichwort: Verschwendung von Vermögen, eine Versagung auf Grund dessen ist jedoch, wenn man hier im Forum liest, recht selten)

Bei mir sind die Schuldengründe ähnlich (Trading etc.) und die PI wurde durch einen auf Insolvenzen spezialisierten Anwalt eingeleitet wo ich natürlich ähnliche Sorgen vorgetragen habe. - es war dann im späteren Verlauf kein Thema mehr. - Ich hoffe natürlich es bleibt weiterhin so. :D
soyyhd22
Neuankömmling
Beiträge: 2
Registriert: 15. Jun 2026, 15:32

Re: Fragen zu Schulden, möglicher Privatinsolvenz und Optionen (ca. 60k+ €)

Beitrag von soyyhd22 »

Hallo danke für eure Antworten
soyyhd22 hat geschrieben: 15. Jun 2026, 16:24 •Wie realistisch sind außergerichtliche Einigungen oder ein Insolvenzplan in so einer Situation?
Ausm Existenzminimum ein realistischer Vergleich für ein 100 Riesen Schuldenportfolio? Die Frage war nicht wirklich ernst gemeint, oder?
Verstehe. Meine Überlegung war, ob sich die Chancen auf eine außergerichtliche Einigung verbessern würden, wenn er wieder eine Tätigkeit aufnimmt und ein regelmäßiges Einkommen erzielt. Angenommen, er hätte künftig ein Nettoeinkommen von etwa 2.000 € monatlich: Würde das die Erfolgsaussichten für eine außergerichtliche Einigung oder einen Insolvenzplan erfahrungsgemäß erhöhen? Oder ist eine außergerichtliche Einigung in solchen Fällen erfahrungsgemäß weiterhin eher unrealistisch?

soyyhd22 hat geschrieben: 15. Jun 2026, 16:24 •Ich habe gelesen, dass bei bestimmten Ursachen der Verschuldung (zB. bei Trading oder Glücksspiel) die Restschuldbefreiung problematisch sein kann. Ist das korrekt?
So ganz allgemein gesagt: Ja - unter Umständen.
Von welchen Umständen hängt das typischerweise ab? Geht es dabei eher um Fälle, in denen trotz bereits erkennbarer finanzieller Probleme weiter spekuliert bzw. weitergespielt wird oder sind dafür noch andere Voraussetzungen relevant?
Itak65
Allwissender
Beiträge: 541
Registriert: 16. Dez 2022, 08:24

Re: Fragen zu Schulden, möglicher Privatinsolvenz und Optionen (ca. 60k+ €)

Beitrag von Itak65 »

Hi bei mir hatte es glücklicherweise keine Auswirkungen auf die RSB.
Itak65
caffery
praktischer Schuldnerberater
Beiträge: 2885
Registriert: 13. Aug 2018, 20:45

Re: Fragen zu Schulden, möglicher Privatinsolvenz und Optionen (ca. 60k+ €)

Beitrag von caffery »

soyyhd22 hat geschrieben: 17. Jun 2026, 00:57 Oder ist eine außergerichtliche Einigung in solchen Fällen erfahrungsgemäß weiterhin eher unrealistisch?
Genau - außerdem fehlt mir bei der ganzen Geschichte völlig die Prioritätensetzung. Es ist quasi der typische Fall von "massiver Lebenskrise, Kontrollverlust, Sucht, ganz am Boden, das Wasser steht bis zum Hals" - und hier sogar noch "Verdrängung".
Es ist genauso üblich wie falsch in dem Moment in dem man (oder andere)anfängt sich Gedanken über einen Neuanfang zu machen sofort zu denken: "Erstmal müssen die Schulden weg!".
Das ist aber genau falschrum und geht garantiert in die Hose. Erst müssen alle anderen Baustellen beackert und das Leben wieder stabilisiert, sowie die Sucht angegangen werden und am Ende sollte die Schuldensanierung stehen.
Wie gesagt - ein absolut menschlicher Fehlansatz den ich dauernd auf der Arbeit erlebe.

soyyhd22 hat geschrieben: 15. Jun 2026, 16:24 Von welchen Umständen hängt das typischerweise ab? Geht es dabei eher um Fälle, in denen trotz bereits erkennbarer finanzieller Probleme weiter spekuliert bzw. weitergespielt wird oder sind dafür noch andere Voraussetzungen relevant?
Glück/Pech - Gläubiger - Sachbearbeiter - Gerichte - Offensichtlichkeit.

Viele Gläubiger von so Hochrisikokrediten kennen ihre Kunden und gehen per se von unerlaubtem Verhalten aus. Dann ist es schwierig für die bestimmte Forderung eine Restschuldbefreiung zu kriegen weil sie damit häufig richtig liegen.
Ich habe auch schon Kanzleien gesehen die das volle Brett - also Versagung und Strafanzeige - beantragt haben und auch Gerichte die schon im Rahmen der Kostenstundung wissen wollten wo die Kohle denn geblieben ist.
Wenn dann die Wahrheit gesagt wird (was auch sonst?) wurde keine Stundung gewährt mit dem (aus meiner Sicht dünnen) Argument, dass eine RSB ohnehin nicht zu erreichen sei, da ja ein Versagungsgrund vorliege.

Die Einzelrechtsprechung ganz allgemein geht bei solchen Zockergeschichten in den genannten Dimensionen meines Wissens auch sehr stark in Richtung "pro Gläubiger" - also Versagung - so sie denn beantragt wird. So richtig richtig häufig kommt das aber nicht vor. Eher die Anmeldung einzelner Forderungen als unerlaubte Handlung - was dem Gläubiger selbst auch deutlich mehr Vorteile bringt.

PS: Ach ganz am Rande mal so: Einen "Insolvenzplan" einer Privatinsolvenz vorzuziehen ist ein Widerspruch in sich. Insolvenzpläne gibt es nur im Rahmen von Insolvenzverfahren.

Und: Ein ordnungsgemäßer außergerichtlicher Einigungsversuch findet auch schon im Rahmen der Insolvenzordnung statt. Wenn der nicht klappt, kann man einen Insolvenzantrag stellen. Wenn man das nicht will kann man die Schulden auch behalten. Das ist auch nicht verboten.
Zu glauben, dass man so ein Schuldenportfolio einfach so irgendwie sonst wegverhandeln kann ist ohnehin völlig naiv und wird auch mit 30-40 Riesen nicht funktionieren.
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