Hallo zusammen,
ich lese hier schon eine Weile mit und hoffe auf eine realistische Einschätzung bzw. Erfahrungen von Menschen, die Ähnliches erlebt haben.
Zu meiner Situation (stark zusammengefasst):
-Schulden ca. 95.000 €, überwiegend Ratenkredite (u. a. Auxmoney) und Kreditkarten
-keine Luxusanschaffungen, sondern über Jahre laufender Konsum / Alltagskosten / Lebenshaltung
-monatliche Kreditraten zuletzt ca. 2.400 €, nicht mehr tragbar
-festes Einkommen (öffentlicher Dienst), verheiratet, 2 Kinder, Gütertrennung, getrennte Konten
-keine Vermögenswerte (kein Eigentum, kein Sparvermögen), nur Riester-Rente (wir haben ein Haus, ich stehe nicht im Grundbuch)
-aktuell keine Zahlungsrückstände bei Miete/Versicherungen/etc.
Am 27.11. habe ich noch einmal einen Aufstockungskredit aufgenommen, in der Hoffnung, die Situation damit zu stabilisieren. Im Nachhinein war das natürlich ein Fehler – kurz darauf wurde mir klar, dass es so nicht weitergehen kann.
Ich habe daraufhin professionelle Hilfe gesucht und stehe kurz davor, eine Kanzlei mit der Vorbereitung der Privatinsolvenz zu beauftragen. Empfehlung ist, die Zahlungen an alle Gläubiger einheitlich einzustellen und das Verfahren geordnet vorzubereiten (Antrag voraussichtlich in ca. 2–3 Monaten).
Was mir große Angst macht:
-der Kredit vom 27.11. (zeitlich nah vor der Insolvenz)
-die Sorge, dass mir daraus ein Eingehungsbetrug konstruiert werden könnte
-außerdem habe ich in der Übergangsphase noch einmal meine Kreditkarte genutzt, das habe ich inzwischen aber vollständig eingestellt
Es gab keinen Vorsatz, irgendwen zu täuschen – ich habe bis zuletzt geglaubt, das noch irgendwie zu schaffen, und habe auch immer gezahlt. Erst danach kam die Erkenntnis, dass die Situation dauerhaft nicht tragbar ist.
Meine Fragen an euch:
Gibt es hier Menschen, die kurz vor der Insolvenz noch Kredite aufgenommen haben?
Wurde das bei euch problematisiert oder blieb es folgenlos?
Wie streng prüfen Insolvenzverwalter in der Praxis wirklich die Zeit vor Antragstellung?
Gab es bei euch ernsthafte Probleme oder blieb es eher bei formalen Nachfragen?
Mir geht es nicht um „Schönreden“, sondern um eine realistische Einschätzung aus der Praxis.
Vielen Dank an alle, die ihre Erfahrungen teilen.
Privatinsolvenz geplant – Kredit kurz vorher, Angst vor Eingehungsbetrug / Erfahrungen gesucht
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- Beiträge: 263
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Re: Privatinsolvenz geplant – Kredit kurz vorher, Angst vor Eingehungsbetrug / Erfahrungen gesucht
Hi Kookie,
gute Frage, hast du schonmal bei dem Thema "Privatinsolvenz geplant – Kredit kurz vorher, Angst vor Eingehungsbetrug / Erfahrungen gesucht" geschaut?
gute Frage, hast du schonmal bei dem Thema "Privatinsolvenz geplant – Kredit kurz vorher, Angst vor Eingehungsbetrug / Erfahrungen gesucht" geschaut?
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Re: Privatinsolvenz geplant – Kredit kurz vorher, Angst vor Eingehungsbetrug / Erfahrungen gesucht
Bei dem Schnee-Sturm einige Anmerkungen zu dem thread:
Der Insolvenzverwalter schaut sich ja sechs bis drei Monate "zurück" die Kontoauszüge an. Aus seinen Erkenntnissen entwickelt sich aber kein Risiko für einen Eingehungsbetgrug - darauf müssen oder können nur die Gläubiger kommen - dem Insolvenzverwalter ist ein Eingehungsbetrug egal.
Und Du kannst die professionelle Hilfe bezahlen oder droht da nicht auch, dass die Dienstleistung nicht bezahlt wird? .. oder macht die Hife das für Dich kostenfrei??
Ob ein Gläubiger Eingehungsbetrug "spürt", macht mit seiner Forderungsanmeldung deutlich. Der macht keine Strafanzeige wegen Eingehungsbetrug.
Was Du machen solltest: P-Konto und dem Arbeitgeber Bescheid sagen - wenn Du Dein Gehalt abgetreten hast, bekommt der Arbeitgeber bald Post und je nach Arbeitgeber Du dumme Fragen oder auch gar nicht.
Der Insolvenzverwalter schaut sich ja sechs bis drei Monate "zurück" die Kontoauszüge an. Aus seinen Erkenntnissen entwickelt sich aber kein Risiko für einen Eingehungsbetgrug - darauf müssen oder können nur die Gläubiger kommen - dem Insolvenzverwalter ist ein Eingehungsbetrug egal.
Und Du kannst die professionelle Hilfe bezahlen oder droht da nicht auch, dass die Dienstleistung nicht bezahlt wird? .. oder macht die Hife das für Dich kostenfrei??
Ob ein Gläubiger Eingehungsbetrug "spürt", macht mit seiner Forderungsanmeldung deutlich. Der macht keine Strafanzeige wegen Eingehungsbetrug.
Was Du machen solltest: P-Konto und dem Arbeitgeber Bescheid sagen - wenn Du Dein Gehalt abgetreten hast, bekommt der Arbeitgeber bald Post und je nach Arbeitgeber Du dumme Fragen oder auch gar nicht.
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DispoDude1988
- Mitglied
- Reaktionen: 3
- Beiträge: 15
- Registriert: 25. Nov 2025, 16:37
Re: Privatinsolvenz geplant – Kredit kurz vorher, Angst vor Eingehungsbetrug / Erfahrungen gesucht
Mir geht/ging es ähnlich.Der Insolzenzberater hat mich etwas beruhigt.Die Gläubiger müssen den Eingehungsbetrug kkar glaubhaft nachweisen,z.B. wenn du zu hohes Einkommen angegeben hast.Ich habe auch zulange noch Paypal und Klarna genutzt für Lebensmittel etc. Mann glaubt bis zum Schluss das man das es irgendwie hinkriegt,aber das wird nichts.Die Banken geben gefühlt aber auch immer noch was.Natürlich zu absurden Zinsen.In meiner Brust schlagen auch 2 Herzen.Einmal bin ich froh jetzt im eröffneten Verfahren zu sein und andererseits spürt man so einen extremem Kontrollverlust.Ich hatte mich sogar zwischendurch mit dem Caritas Berater in der Wolle.Aber die wogen haben sich geglättet.Solche hohe schulden(140k bei mir) trotz gutem Lohn sind einfach eine seelische Krankheit...aber du bist nicht allein!
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caffery
- praktischer Schuldnerberater
- Reaktionen: 481
- Beiträge: 2828
- Registriert: 13. Aug 2018, 20:45
Re: Privatinsolvenz geplant – Kredit kurz vorher, Angst vor Eingehungsbetrug / Erfahrungen gesucht
Wie gewünscht die ehrliche Einschätzung ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten:
1. Der dargestellte Zeitrahmen ist schon extrem kurz.
2. Viele Kollegen empfehlen so als unverbindliche Faustregel eine abgegebene Dauerzahlungsverpflichtung auf ein Darlehen nach Möglichkeit mindestens 6 Monate einzuhalten.
3. Betrugsanzeigen oder Versagungsanträge sind in der Praxis extrem selten und bringen dem Gläubiger auch praktisch nichts.
4. Deutlich häufiger kommt es bei sowas zu Anmeldungen der Forderungen wegen vorsätzlich begangener unerlaubter Handlung. Das ist ein Mittel aus dem Insolvenzrecht mit dem Gläubiger vereinfacht gesagt ihre Forderung "upgraden" können damit sie die Restschuldbefreiung überleben ohne das Verfahren als Solches zu beenden.
5. Manche Banken machen das praktisch nie - manche nur in Extremfällen (Deiner ist wirklich auch bei schuldnerfreundlicher Betrachtung grenzwertig da nach dem Zahlungsversprechen nur 0/1 Rate gezahlt wurde) und manche praktisch immer, völlig unabhängig vom Einzelfall. Letzteres sind vor allem Institute die bekannt für Hochrisikokredite mit bestialischen Zinssätzen sind - die kein Mensch in Betracht ziehen würde dem das Wasser nicht bis zum Hals steht.
6. Man kann sich als Schuldner dagegen wenden wenn ein Gläubiger wie in Punkt 5 genannt reagiert. Wie das am Ende ausgeht hängt im Ernstfall dann an einem Richter und vor allem dann wohl u.a. daran wie lückenlos korrekt Deine Angaben beim Kreditantrag waren.
So - und jetzt dennoch nicht verrückt machen sondern positiv nach vorn blicken. Du kannst es jetzt sowieso nicht mehr ändern. Egal was passiert - man kann darauf reagieren. Es ist alles richtiger als damit weiterzumachen wie Du bisher gelebt hast.
... auch wenn man sich natürlich darüber streiten kann ob bei dem Zeitablauf die Eile beim Insolvenzantrag wirklich notwendig gewesen ist oder ein wenig Gras über dem Horizont nicht weiser gewesen wäre... aber Anwälte raten zu sowas selten weil sie mit Gras nix verdienen.
PS: Insolvenzverwalter interessieren sich nicht für sowas - so lange da nicht gewaltige Beträge in den letzten Wochen/wenigen Monaten "verschwunden" sind. Aber bei Umschuldungen und Kettenkrediten (wie bei Dir) geht es ja nicht um real geflossene bereite Mittel.
Das Ganze ist also normalerweise allein das Bier des betreffenden Gläubigers. Aber das hatte ja auch der Imker schon erwähnt.
1. Der dargestellte Zeitrahmen ist schon extrem kurz.
2. Viele Kollegen empfehlen so als unverbindliche Faustregel eine abgegebene Dauerzahlungsverpflichtung auf ein Darlehen nach Möglichkeit mindestens 6 Monate einzuhalten.
3. Betrugsanzeigen oder Versagungsanträge sind in der Praxis extrem selten und bringen dem Gläubiger auch praktisch nichts.
4. Deutlich häufiger kommt es bei sowas zu Anmeldungen der Forderungen wegen vorsätzlich begangener unerlaubter Handlung. Das ist ein Mittel aus dem Insolvenzrecht mit dem Gläubiger vereinfacht gesagt ihre Forderung "upgraden" können damit sie die Restschuldbefreiung überleben ohne das Verfahren als Solches zu beenden.
5. Manche Banken machen das praktisch nie - manche nur in Extremfällen (Deiner ist wirklich auch bei schuldnerfreundlicher Betrachtung grenzwertig da nach dem Zahlungsversprechen nur 0/1 Rate gezahlt wurde) und manche praktisch immer, völlig unabhängig vom Einzelfall. Letzteres sind vor allem Institute die bekannt für Hochrisikokredite mit bestialischen Zinssätzen sind - die kein Mensch in Betracht ziehen würde dem das Wasser nicht bis zum Hals steht.
6. Man kann sich als Schuldner dagegen wenden wenn ein Gläubiger wie in Punkt 5 genannt reagiert. Wie das am Ende ausgeht hängt im Ernstfall dann an einem Richter und vor allem dann wohl u.a. daran wie lückenlos korrekt Deine Angaben beim Kreditantrag waren.
So - und jetzt dennoch nicht verrückt machen sondern positiv nach vorn blicken. Du kannst es jetzt sowieso nicht mehr ändern. Egal was passiert - man kann darauf reagieren. Es ist alles richtiger als damit weiterzumachen wie Du bisher gelebt hast.
... auch wenn man sich natürlich darüber streiten kann ob bei dem Zeitablauf die Eile beim Insolvenzantrag wirklich notwendig gewesen ist oder ein wenig Gras über dem Horizont nicht weiser gewesen wäre... aber Anwälte raten zu sowas selten weil sie mit Gras nix verdienen.
PS: Insolvenzverwalter interessieren sich nicht für sowas - so lange da nicht gewaltige Beträge in den letzten Wochen/wenigen Monaten "verschwunden" sind. Aber bei Umschuldungen und Kettenkrediten (wie bei Dir) geht es ja nicht um real geflossene bereite Mittel.
Das Ganze ist also normalerweise allein das Bier des betreffenden Gläubigers. Aber das hatte ja auch der Imker schon erwähnt.
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Re: Privatinsolvenz geplant – Kredit kurz vorher, Angst vor Eingehungsbetrug / Erfahrungen gesucht
Dankeschön für diese Rückmeldungen. So klar wurde das bisher weder durch die Schuldnerberatung noch durch die Anwälte kommuniziert.
Ich weiß, dass der Zeitraum extrem kurz ist - und ich würde es sicherlich auch schaffen noch irgendwie ein paar Raten zu zahlen. Aber sowohl Anwälte als auch die Schuldnerberatung haben mir gesagt, ich sollte jetzt alle Zahlungen einstellen. Das verunsichert natürlich extrem.
Ich weiß, dass der Zeitraum extrem kurz ist - und ich würde es sicherlich auch schaffen noch irgendwie ein paar Raten zu zahlen. Aber sowohl Anwälte als auch die Schuldnerberatung haben mir gesagt, ich sollte jetzt alle Zahlungen einstellen. Das verunsichert natürlich extrem.
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Re: Privatinsolvenz geplant – Kredit kurz vorher, Angst vor Eingehungsbetrug / Erfahrungen gesucht
Wie hoch ist denn dieser letzte Kredit? Nimmt der 5% deiner Gesamtforderungen könnte man das deutlich entspannter sehen, als wenn es z.B. 90% sind.
Was spricht dagegen, mit dem Antrag noch zu warten?
Und wieso Schuldnerberatung UND Anwalt?
Was spricht dagegen, mit dem Antrag noch zu warten?
Und wieso Schuldnerberatung UND Anwalt?
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Re: Privatinsolvenz geplant – Kredit kurz vorher, Angst vor Eingehungsbetrug / Erfahrungen gesucht
Es handelt sich um einen Aufstockungskredit von 4000 Euro. Ich habe vorher immer alle Raten gezahlt.
Ich war zuerst bei der Schuldnerberatung der Diakonie und hatte ein sehr schlechtes Gefühl danach- ich hatte das Gefühl es war keine sachliche Beratung. Daher bin ich danach auf eine Kanzlei zugegangen. Ich wohne sehr ländlich- Beratungsangebote sind hier sehr spärlich.
Ich war zuerst bei der Schuldnerberatung der Diakonie und hatte ein sehr schlechtes Gefühl danach- ich hatte das Gefühl es war keine sachliche Beratung. Daher bin ich danach auf eine Kanzlei zugegangen. Ich wohne sehr ländlich- Beratungsangebote sind hier sehr spärlich.
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