Umschulung in Insolvenz ist unmöglich?

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Andor86
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Umschulung in Insolvenz ist unmöglich?

Beitrag von Andor86 »

Hallo Ihr Lieben!

Ich möchte hier eine zweiteilige Anfrage aus meinem Quasi-Vorstellungsbeitrag (wo sie etwas deplaziert war) nochmal kompakter stellen. Wie immer interessieren mich insbesondere eigene Erfahrungsberichte von Leuten, die dieses Problem schon mal selbst bewältigen mussten.

Es geht um eine Umschulung während der Insolvenzphase, was nach den von mir gelesenen Quellen wohl eher problematisch ist - zumindest, sofern nicht bereits vor Insolvenzbeginn angetreten. Ich will und muss betonen, dass das in meinem speziellen Fall kein bloßer Wunsch ist, sondern wirklich harte Notwendigkeit, um in dem stark spezialisierten Arbeitsmarkt heute überhaupt wieder Fuß fassen zu können. Die letzten fünf Jahre seit Corona (der Ursprung überhaupt) waren generell nicht leicht und auf Umwegen Grund, warum ich nun hier bin. Das aber am Rande.

In meinem Fall ist problematisch, dass Arbeitslosigkeit und Insolvenz zusammenfallen. Keine Ahnung, wie oft das vorkommt. Jedenfalls stehe ich von zwei Seiten im Druck und muss gleichzeitig ein Paradoxon lösen/einen Knoten durchschlagen: Sowohl das Jobcenter als auch, wenn ich ihn denn mal kennenlerne, der Insolvenzverwalter wollen ja verständlicherweise, dass ich einer geregelten Arbeit nachgehe (ich selbst übrigens auch). Zugleich hagelt es bei mir Absagen, bzw., ich kann vielleicht im Sinne des Jobcenters eine kurzfristige Hilfstätigkeit annehmen (Supermarkt etc.). Ob der Verwalter das so toll findet, wage ich eher zu bezweifeln.

Nur werde ich ohne mindestens dreijährige Umschulung viel mehr gar nicht mehr bekommen. Da liegt der Hase im Pfeffer. Ich habe hier schon alles in Bewegung gesetzt. Das Jobcenter will nicht zahlen - passt nicht zum Lebenslauf, kein Geld im topf etc.. Und erlaubt ist es ja nun auch nicht in Insolvenz, wie ich feststelle.

Was mache ich denn jetzt?

Vielen dank für Eure Antworten :)!!!
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Re: Umschulung in Insolvenz ist unmöglich?

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Hi Andor86,

gute Frage, hast du schonmal bei dem Thema "Umschulung in Insolvenz ist unmöglich?" geschaut?
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Shopgirl
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Re: Umschulung in Insolvenz ist unmöglich?

Beitrag von Shopgirl »

Es ist nicht zwingend verboten, im Insolvenzverfahren eine Umschulung zu machen. Das wird immer sehr auf den Einzelfall ankommen.
Ein Bekannter von mir hat Schriftsetzer gelernt. Ein Job, den heute in der Art niemand mehr braucht. In solch einem Fall könnte man nur schwer gegen eine Umschulung argumentieren.

Um dir irgendwas raten zu können, fehlen die Details. Wieso weigert sich das Jobcenter denn, eine Umschulung zu bezahlen? Was hast du gelernt? Wie lange in dem Job gearbeitet? Wie lange schon arbeitslos? Wäre im deinem "alten Job" überhaut ein Gehalt zu erreichen, von dem etwas pfändbar wäre? (Ich habe gerade nicht im Kopf, ob es bei dir Unterhaltspflichten gab).
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Andor86
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Re: Umschulung in Insolvenz ist unmöglich?

Beitrag von Andor86 »

Hi, vielen Dank für Deine nette Antwort!
Alles sehr gute und berechtigte Fragen; hätte ich tiefer drauf eingehen sollen. Naja, dann mal der Reihe nach:
Shopgirl hat geschrieben: 20. Mär 2025, 19:12 Wieso weigert sich das Jobcenter denn, eine Umschulung zu bezahlen? Was hast du gelernt? Wie lange in dem Job gearbeitet? Wie lange schon arbeitslos?
Warum konkret sich das Jobcenter hier weigert, ist auch für mich schwer im Detail einzusehen. Ich weiß nicht, wie groß hier im Forum die Erfahrungswerte in diese Richtung sind, von mir an dieser Stelle ganz neutral so viel: Es hängt - leider - unfassbar viel von dem Engagement und der Motivation des einzelnen Sachbearbeiters ab, der oder die in der Vermittlung für einen zuständig ist. Da sieht es bei mir eher mau aus. Die entsprechende Dame ist chronisch überlastet, da dem entsprechenden Center Arbeitkräfte fehlen (etwas ironisch, ich weiß, aber hier weit bekannt). Und auch wirklich interessiert an der aktuellen Neuentwicklung auf dem Arbeitsmarkt (Abkopplung Europas von den USA, KI, Digitalisierung allgemein, etc.) ist sie gar nicht. Zu abstrakt, zu politisch, zu langfristig. Für mich und anderer wie mich wäre aber genau all das hier und vor Ort wichtig, um wieder Anschluss zu finden.

Ich habe Geschichte und Philosophie studiert, Bachelorabschluss 2016. Master habe ich keinen, wird aber heute oft verlangt. Die Menschen neigen an dieser Stelle schnell dazu, zu sagen:

Naja, studierter Historiker, da wird sich doch was finden lassen.

Nein, tatsächlich nicht mehr ganz so einfach. Vor zehn Jahren wäre es besser gewesen, aber auch da nur mit guten Kontakten, die ich leider nicht habe - mein Fehler, das stimmt wohl. Heute iost Vieles entweder voll automatisiert (das betriffft z.B. viel im Bereich Journalismus und Verlage) oder muss per Spezialstudiengang erschlossen ganz neu werden (Museen, Archivkunde und Bibliothekswesen etwa). Man kriegt dort noch Jobs, aber meist halbtags und dann für so wenig Gerhalt, dass definitiv aufgestockt werden muss, um zu überleben. Alsaao suche ich breiter - inzwischen massiv breiter.
Shopgirl hat geschrieben: 20. Mär 2025, 19:12 Wäre im deinem "alten Job" überhaut ein Gehalt zu erreichen, von dem etwas pfändbar wäre? (Ich habe gerade nicht im Kopf, ob es bei dir Unterhaltspflichten gab).
Nein. Die Antwort habe ich ja jetzt gerade quasi selbst vorweggenommen. Ich habe übrigens auch lange vor der Insolvenz, 2020 vor Corona, nicht gut verdient. Faktisch netto unter der Freigrenze von 1500, wenn auch nicht weit darunter. Ich war immer Geringverdiener (ohne Unterhaltspflichten, habe auch heute keine).

Was mich natürlich zu der eher grundsätzlichen Frage führt - die stelle ich dann hier auch ganz offen und explizit, ich weiß es nämlich nicht - was Leute wie ich und solche, die gehaltstechnisch noch schlimmer dran sind, dann im Falle einer Insolvenz eigentlich machen? In diese Lage kann man leicht auch ohne eigene Schuld geraten, etwa durch einen Schicksalsschlag. Und wir haben mit dem Niedriglohnsekltor ja eine ganze Bevölkerungsgruppe, die faktisch netto unter der Freigrenze bleibt.

Oder, direkter gefragt:
Haben dann all diese Menschen von Tag 1 an keinerlei Chance auf RSB? Schlicht, weil ihr Gehalt höchstwahrscheinlich nie hoch genug sein wird?

Das interessiert mich doch sehr.
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Nie_mehr_Schulden
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Re: Umschulung in Insolvenz ist unmöglich?

Beitrag von Nie_mehr_Schulden »

Natürlich hat jeder eine Chance auf eine RSB. Wenn jemand unter einer gewissen Gehaltsgrenze liegt, dann ist dies eben so. Eine RSB richtet sich nicht nach dem Gehalt.

Was ist das denn für eine Umschulung, die drei Jahre geht? Ich habe auch durch eine Umschulung einen Turnaround in meinem Berufsleben geschafft. Und die Umschulung für einen sehr guten Beruf hat keine 3 Jahre gedauert. Ich habe eigentlich damals gute Erfahrungen mit dem Jobcenter gesammelt und auch durch eine Bekannte weiß ich, das sie eine teure Umschulung bewilligt bekommen hat. Anscheinend wird deine gewünschte Umschulung nicht als zielführend eingeschätzt.

Was die PI angeht, dann kann man sich für die Zeit natürlich einen herkömmlichen Job suchen, um die Pflichten in einer Privatinsolvenz zu erfüllen. Ich denke, eine nötige Umschulung wird dir nicht negativ ausgelegt in Bezug auf eine RSB, wenn sie notwendig ist und du aktuell arbeitslos bist. Durch deine Absagen kannst du belegen, das du in deiner aktuellen Situation keinen Job gemäß deiner bisherigen Ausbildung erlangen kannst.
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Andor86
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Re: Umschulung in Insolvenz ist unmöglich?

Beitrag von Andor86 »

Danke auch Dir für die nette Antwort!
Nie_mehr_Schulden hat geschrieben: 20. Mär 2025, 22:09 Natürlich hat jeder eine Chance auf eine RSB. Wenn jemand unter einer gewissen Gehaltsgrenze liegt, dann ist dies eben so. Eine RSB richtet sich nicht nach dem Gehalt.
Also auch dann, wenn man dauerhaft unter der Freigrenze von ca. 1500 Euro liegt? Ich weiß, ich stelle die Frage jetzt praktisch noch mal - tut mir auch leid. Mich beschäftigt das gerade einfach sehr, da ich nicht darauf hoffen darf, sehr zeitnah drüber zu kommen.
Nie_mehr_Schulden hat geschrieben: 20. Mär 2025, 22:09 Was ist das denn für eine Umschulung, die drei Jahre geht? Ich habe auch durch eine Umschulung einen Turnaround in meinem Berufsleben geschafft. Und die Umschulung für einen sehr guten Beruf hat keine 3 Jahre gedauert. Ich habe eigentlich damals gute Erfahrungen mit dem Jobcenter gesammelt und auch durch eine Bekannte weiß ich, das sie eine teure Umschulung bewilligt bekommen hat. Anscheinend wird deine gewünschte Umschulung nicht als zielführend eingeschätzt.
Etwas in den Sozialen Bereich hinein; konkret in die Jugendarbeit. Da gibt es einen Träger in meiner Umgebung, der das anbietet und gut vernetzt ist in die örtlichen Strukturen. Aber ich habe mich auch darüber hinaus umgeschaut.

Zum Kontext diesbezüglich:
Zu meiner "Odyssee" seit Corona gehörte, im Jahr 2022 für fünf Monate bei der Diakonie beschäftigt gewesen zu sein (da allerdings im Bereich "geistige Behinderungen" - unschönes Wort) und zuvor war ich von 2018 bis 2020 bei einem großen Institut für Nachhilfe angestellt und hatte tagtäglich mit Kindern und Jugendlichen zu tun, wenn natürlich auch etwas professionell distanzierter als in der Jugendarbeit. 2023 habe ich dann ein Angebot angenommen, selbst ein solches Institut im Franchise zu gründen. Naja, jetzt bin ich hier, der Rest der Story ist wohl selbsterklärend...

Keine Ahnung, was in meinem konkreten fall das nicht zielführend ist :?: . Das kann nur die Sachbearbeiterin beantworten. Okay, sie und ich liegen auch einfach nicht wirklich auf einer wellenlänge, gebe ich gerne zu. Ich tue mein Möglichstes.
Nie_mehr_Schulden hat geschrieben: 20. Mär 2025, 22:09 Was die PI angeht, dann kann man sich für die Zeit natürlich einen herkömmlichen Job suchen, um die Pflichten in einer Privatinsolvenz zu erfüllen. Ich denke, eine nötige Umschulung wird dir nicht negativ ausgelegt in Bezug auf eine RSB, wenn sie notwendig ist und du aktuell arbeitslos bist. Durch deine Absagen kannst du belegen, das du in deiner aktuellen Situation keinen Job gemäß deiner bisherigen Ausbildung erlangen kannst.
Das klingt schon mal gut; Absagen und rausgeschickte Bewerbungen sammle ich von Tag 1 an. Ich kann nur absolut nicht greifen, wie schlecht meine Lage wirklich ist. Mir fehlt jeder emotionale und rationale Bezugspunkt dazu. Sorgen mache ich mir sehr viele.
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robo
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Re: Umschulung in Insolvenz ist unmöglich?

Beitrag von robo »

Andor86 hat geschrieben: 20. Mär 2025, 22:47 ...
Also auch dann, wenn man dauerhaft unter der Freigrenze von ca. 1500 Euro liegt?
...
Ja, auch dann.

Der Schuldner hat im Insoverfahren und im RSB-Verfahren (Vorsicht, Juristendeutsch):
eine "Erwerbsobliegenheitspflicht" !
Und wenn er keinen Job hat, hat er sich um einen solchen zu bemühen.
Fertig.

Die Kombi "Arbeitslos + Insolvenzverfahren" ist nicht so ungewöhnlich, wie Du scheinbar glaubst.
Der Verlust des Arbeitsplatzes ist m.W. No. 1 auf der Rangliste der Ursachen von Verschuldung
(und danach gleich "Scheidung/Trennung").

Deine Kenntnisse zum Ablauf eines Insolvenzverfahrens sind eher rudimentär, scheint mir.
Du solltest Dich umgehend um einen Job kümmern und sämtliche Bewerbungen und auch die Absagen schön ordentlich abheften (Deine Nachweise/Belege könnten mal wichtig werden).

Aber das verlangt ja vermutlich auch das JobCenter von Dir ?
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Andor86
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Re: Umschulung in Insolvenz ist unmöglich?

Beitrag von Andor86 »

Danke für Deine Antwort😊👍!

Klar, das will auch das Jobcenter, und dem komme ich auch nach. Zum exakten Ablauf des Insolvenzverfahrens kann ich in der Tat wenig sagen - deshalb bin ich hier angemeldet😉. Ist mein erstes Mal😅.

Aktuell sind Google und ChatGPT gute Freunde von mir, was die Abläufe betrifft. Aber das bleibt natürlich denkbar abstrakt, solange man es nur liest. Zudem ist jeder Fall anders, wie mir scheint.
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robo
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Re: Umschulung in Insolvenz ist unmöglich?

Beitrag von robo »

Andor86 hat geschrieben: 25. Mär 2025, 22:48 ...
Zudem ist jeder Fall anders, wie mir scheint.
...
Ja, das liegt nun mal in der Natur der Sache.

Aber die Gesetze, hier die InsO, sind nun mal für alle gleich
(nur für manche sind sie gleicher :lol: ).
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Andor86
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Re: Umschulung in Insolvenz ist unmöglich?

Beitrag von Andor86 »

Dann passt's ja, danke Dir😂😉👍!
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