Schlechtes Gewissen ?!?

Life! Im Forum Schuldenprobleme werden sachbezogene Fragen rund ums Thema Ver- und Überschuldung diskutiert. Da es für für Schuldner daneben viele Themen gibt, die nicht direkt mit diesen Sachfragen oder Informationen zu tun haben, sondern mit persönlichen, sozialen, familiären oder beruflichen Ursachen und Folgen der Ver- und Überschuldung, haben wir dieses Forum eingerichtet. Im Forum Life! können z.B. diese Themen diskutiert werden: Schulden belasten oft Beziehungen und Partnerschaften: Wie wird man damit fertig? Oder mit dem Druck, wenn Schulden eines Partners eine neue Beziehung von Anfang an belasten? Lebenspraktische Erfahrungen: Wie vermittelt man z.B. den Kindern, dass das mit den Nike-Schuhen nicht geht? Wie wird man selbst damit fertig, wenn man auf einiges verzichten muss? Konsum und Verhältnis zu Geld: Hat sich meine Einstellung zu Geld und Konsum durch die Überschuldung geändert? Kochrezepte für die letzten '3 Tage vor dem Ersten' und andere Tipps , die den eh' schon schmalen Geldbeutel entlasten helfen.
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Käsebrot
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Schlechtes Gewissen ?!?

Beitrag von Käsebrot »

Hallo,

irgendwie mache ich mir gerade Gedanken darüber, ob ich ein schlechtes Gewissen haben muss.
Nachdem meine Insolvenz ja bereits seit geraumer Zeit läuft und ich seit eineinhalb Jahren ca. auch wieder sparen darf, bin ich richtig geizig geworden. Dennoch kann ich mir Dinge leisten, von denen andere nur träumen können.

Letztes Jahr war ich z. B. im Urlaub bis nach Russland.

Und nachdem ich am Samstag eine zündende Idee für meine Wohnung hatte, war ich heute sehr spontan bei IKEA (zuhause war Stromausfall und ich wollte nicht im Dunklen sitzen bleiben), wo der Einkauf etwas eskaliert ist :lol: Aber ohne der Angst, dass ich morgen nix mehr zu essen im Kühlschrank hab. Sondern einfach, weil ich es mir leisten kann. Und eskaliert heißt in dem Fall ein Betrag von gut 100€, also keine Unsumme im Verhältnis.

Geht es euch genauso? Oder bin ich da wieder mal etwas speziell?

Ich lebe sicher kein Luxusleben, allerdings denke ich mir hin und wieder, dass es mir für meine finanziellen Verhältnisse eigentlich verdammt gut geht. Und meinen Pfändungsbetrag will ich zukünftig auf ein Sparkonto schieben, für mal richtig schlechte Zeiten.
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Re: Schlechtes Gewissen ?!?

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Hi Käsebrot,

Gute Frage, hast du schonmal bei dem Thema " Schlechtes Gewissen ?!?" geschaut?
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tidus82
Admin
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Re: Schlechtes Gewissen ?!?

Beitrag von tidus82 »

Es geht mir tatsächlich genauso - vor meiner Insolvenz musste ich jeden Cent vorn und hinten angucken, um ihn dann ausgeben zu können, weil ich irgendwie versucht habe alles unter einen Hut zu bekommen.
Seit der Insolvenz habe ich tatsächlich die Möglichkeit wieder zu sparen und da sammelt sich am Ende des Jahres durchaus eine nette Summe, dass auch wieder Urlaub, den ich jahrelang nicht mal ansatzweise hatte, drin ist.

Allein das „geordnete“ in dem ganzen Schwurbel ist ausschlaggebend dafür, dass ich - und das sage ich mit Stolz - mit Geld umgehen kann, was ich früher nie gelernt habe.

Ich wechsle regelmäßig unseren Strom- und Gasanbieter um 20 Euro im Jahr zu sparen, Vergleiche KFZ Versicherungen und gehe beim Aldi einkaufen. Ich koche viel regelmäßiger (okay, die Freundin kocht ;)) Insbesondere bin ich viel emotionsloser zu sog. Spontankäufen geworden. Ich hab gar nicht mehr das Verlangen irgendwas haben zu müssen.

Also ja - die Insolvenz hat mich einiges gelehrt und ich glaube dass jeder, der wirklich nicht mit Geld umgehen kann und seine Schulden vor sich her schiebt diesen Schritt nicht nur für die Entschuldung nutzen sollte, sondern vielmehr um fürs Leben zu lernen.

Aber - ein schlechtes Gewissen habe ich absolut nicht. :-) der Gesetzgeber hat sich da schon etwas dabei gedacht die Schulden damit „loszuwerden“.
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Käsebrot
Allwissender
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Registriert: 19. Mai 2019, 13:40

Re: Schlechtes Gewissen ?!?

Beitrag von Käsebrot »

Nun ja, ein bisschen Spontanität war da schon auch wieder dabei :oops: Aber nicht dieses Will-Ich-Jetzt-Haben sondern eher das Will-Ich-Schon-Länger-Haben-Und-Ist-Jetzt-Im-Angebot-Und-Muss-Ich-Mitnehmen-Bevor-Es-Aus-Dem-Sortiment-Ist. Kaufe inzwischen vieles nur noch nach reiflicher Überlegung. Meine Winterschuhe z. B. habe ich zwei Monate vor mir hergeschoben (und bin ziemlich frustriert, dass ich sie bisher fast umsonst gekauft hab).

Was auch seltsam ist, vor der Insolvenz musste ich beim Discounter einkaufen, um über die Runden zu kommen. Heute sträube ich mich fast, weil ich mehr auf die Qualität achte und trotzdem habe ich keine Schwierigkeiten. Ich habe seit letztem Monat eine eigene Schwimmbad-Kasse und mein Sparschwein ist auch gut gefüllt. Dank dem Tip eines ehemaligen Kollegen lege ich meine Trinkgelder komplett beiseite, da liege ich derzeit im unteren dreistelligen Bereich (nachdem ich letztes Jahr im Urlaub war).

Nachdem es bei mir anfangs echt holprig war, bin ich um so stolzer auf das, was ich jetzt erreicht hab. Und dann denke ich mir wieder, das darf so nicht sein. Ich habe knapp 36000€ angemeldete Schulden, trotzdem habe ich nach Abzug meiner Fixkosten manchmal fast den doppelten ALG II-Regelsatz zur Verfügung. Selbst ein neues iPhone konnte mich mir vergangenes Jahr leisten, nach fünf Jahren mit dem alten und mehreren Monaten reiflicher Überlegung.

Ich will die Fehler, die ich gemacht habe, nie wieder machen.
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Blecheimer
Wissender
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Re: Schlechtes Gewissen ?!?

Beitrag von Blecheimer »

Über dieses Thema habe ich auch neulich nachgedacht.

Vor der Insolvenz habe ich alles auf Pump gekauft, das Handy mit Vertrag und das Auto war natürlich auch finanziert.

Seitdem durch die Insolvenz alles seinen geordneten Weg geht, habe ich diesbezüglich komplett umgedacht. Ich finanziere meine Anschaffungen rückwärts. Man könnte es auch sparen nennen. :)

Das Handy kaufe ich, alle paar Jahre beim Mediamarkt in bar, mein Auto ist ein 13 Jahre alter Skoda. Alt, aber gepflegt und vor allem bezahlt.

Durch meine günstige Wohnsituation konnte ich mir sogar das Geld zusammensparen um mir beim Yamaha-Händler einen neuen Roller zu kaufen.

Ich habe kein schlechtes Gewissen. Im Gegenteil. Ich denke, die Insolvenz hat bei mir genau das bewirkt, was sie soll. Ich kann endlich mit Geld umgehen und ich habe begriffen, dass es viel zu hart verdient ist, um es leichtfertig auszugeben.
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vella
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Re: Schlechtes Gewissen ?!?

Beitrag von vella »

Ich glaube nicht dass du deswegen ein schlechtes Gewissen haben musst. Du lebst nicht im größten Luxus, den man sich vorstellen kann, sondern einfach ein sehr sehr schönes Leben - nicht jede Münze 3x umdrehen sondern dir einfach mal was kaufen zu können, wenn du es möchtest.
Wenn du dich dennoch schlecht deswegen fühlen solltest, kannst du ja ein Teil deines Geldes spenden:)
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Peter68
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Re: Schlechtes Gewissen ?!?

Beitrag von Peter68 »

Warum sollte man ein schlechtes Gewissen haben. Banken und Konsorten nutzen die Dummheit von Schuldner ja auch aus, anders sind Zinsen von 16% nicht zu erklären.

Deswegen habe ich auch kein schlechtes Gewissen, das ich anstatt die Hälfte meines Geldes für Schuldendienste nur noch ein Viertel dafür ausgeben muss.
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AdiDana
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Re: Schlechtes Gewissen ?!?

Beitrag von AdiDana »

Nein, du brauchst kein schlechtes Gewissen haben. Aber ich kenne das. Ich liege manchmal im Bett und kann nicht schlafen und dann geht mir sowas auch durch den Kopf. Aber ich sage mir dann immer, dass es das Schicksal einfach bisher nicht so gut gemeint hat und ich jetzt auch mal eine bessere Zeit verdient habe. Meine Schulden waren durch die Klassiker gekommen: Januar 2008 Job weg (wegen Verkauf des Unternehmens), Februar 2008 Gesundheit weg (Krebserkrankung und monatelang im Krankenhaus), Dezember 2008 Mann weg und plötzlich alleinerziehend, arbeitslos, krank. Eigenheim nicht mehr zahlbar, Strom nicht mehr zahlbar, etc. pp. Jetzt sind die Schulden weg, die Kinder groß, es geht mir gut. OHNE schlechtes Gewissen. Und wenn das Gewissen sich doch mal meldet, spende ich gerne mal was an Organisationen, die das gut brauchen können.
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FoLo
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Registriert: 25. Jan 2021, 06:30

Re: Schlechtes Gewissen ?!?

Beitrag von FoLo »

Hallo!
Schlechtes Gewissen? Nein Danke!

Seit ca. Mitte Dez. 2020 hatte ich schlaflose Nächte, Existenzängste, Panik etc. Das war der Anfang vom Untergang meiner Existenz Gründung.
Jetzt wo ich mich mit der Insolvenz beschäftige ( mit Hilfe vom Forum, Danke!) geht es mir deutlich besser.
Komischerweise ist die Sachlage nicht anders, aber meine Einstellung dazu und zu sehen das ich da nicht alleine bin hilft mir sehr.
Schlechtes Gewissen hatte ich am Anfang, mit den Gedanken das ich Schulden haben werde, aber jetzt nicht mehr.
Das macht es mir auch leichter die Sache anzugehen und durchzustehen.

Schön das ich Beispiele lesen kann, das es einigen trotz Insolvenz/Schulden gut geht. Das macht Mut!!
Schönen Restsonntag!!!!!
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