Ich steige wahrscheinlich in 3-4 Monaten in die Insolvenz . Ich habe Angst. Erfahrungen und Feedback?

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MM90
Neuankömmling
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Beiträge: 2
Registriert: 17. Jan 2026, 15:49

Ich steige wahrscheinlich in 3-4 Monaten in die Insolvenz . Ich habe Angst. Erfahrungen und Feedback?

Beitrag von MM90 »

Hallo zusammen,

ich habe mich heute hier im Forum angemeldet, weil ich aktuell an einem Punkt in meinem Leben stehe, an dem ich Unterstützung, Erfahrungsaustausch und vielleicht auch etwas Hoffnung suche.

Ich bin verbeamteter Lehrer und ehrlich gesagt habe ich im Moment große Angst. Die letzten Wochen und Monate waren für mich extrem belastend. Ich mache mir viele Vorwürfe, schlafe kaum noch und habe das Gefühl, innerlich ständig unter Strom zu stehen, weil ich kurz vor der Privatinsolvenz stehe.

Der Weg bis hierher war sehr mühsam. Ich habe mich frühzeitig um Hilfe bemüht, war u. a. bei der Caritas, habe Absagen bekommen, keine Termine, keine Kapazitäten …teilweise hieß es, ich müsse mehrere Monate warten. Das hat mich emotional ziemlich fertiggemacht, weil ich ohnehin schon das Gefühl hatte, alles allein tragen zu müssen.

Umso erleichterter bin ich, dass es nun mit einem kommerziellen Schuldnerberater geklappt hat. Er hat mich nicht nur telefonisch sehr ernst genommen und unterstützt, sondern ich stehe inzwischen auch bereits in Kontakt mit der Kanzlei. Die vorvertraglichen Rahmenbedingungen sind geschaffen, und er begleitet mich nun in die außergerichtliche Einigung und – falls nötig – durch die Insolvenz. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, nicht komplett verloren zu sein.

Rational weiß ich: Als Lehrkraft werde ich das wahrscheinlich ganz gut schaffen. Ich verdiene relativ gut und werde voraussichtlich auch in der deutschen Großstadt, in der ich lebe, während der Insolvenz leben können. Trotzdem ist da diese große innere Unsicherheit.

Leider bin ich durch vier größere Kredite sowie PayPal- und Klarna-Schulden – also vor allem Reise- und Konsumschulden – in diese Situation geraten. Die Gesamtschulden belaufen sich auf bis zu ca. 140.000 €, und ich frage mich selbst oft, wie es überhaupt so weit kommen konnte.

Meine größte Angst richtet sich auf die nächsten drei Jahre:
Wie sieht mein Alltag aus?
Wie fühlt sich das Leben in der Insolvenz an?
Gehen diese drei Jahre „schnell vorbei“ oder ziehen sie sich endlos?
Wie ist das Leben danach?

Ich frage mich auch, ob es Bücher oder andere Hilfen gibt, die einen mental stärken. Kann man in dieser Zeit lernen, wieder ein normales, gesundes Verhältnis zu Geld und zum Leben zu entwickeln? Und ist der Begriff „Insolvenz“ am Ende vielleicht schlimmer als die Realität selbst? Ich werde wahrscheinlich in einem halben Jahr auch innerhalb meiner Stadt umziehen müssen. Wie ist das dann mit der SCHUFA und dem Lehrerberuf? Gibt es Vermieter die sehen, dass ich Lehrer bin und verbeamtet bin und drüber hinweg sehen oder sind die Menschen hier im Wohnbranche sehr streng damit, wenn man einen SCHUFA Eintrag hat? Es ist bei mir letztendlich nie an der Zahlung der Miete gescheitert, sondern an den hohen Konsum Schulden.
Kann ich Urlaub machen / buchen? Fernreisen weiterhin? Wie sehr bin ich wirklich eingeschränkt? Zb Kolumbien Reise? Möglich?

Ich wünsche mir sehr, hier Menschen zu finden, die mir ein Stück Orientierung geben können. Vielleicht gibt es hier sogar Lehrerinnen oder Lehrer, die selbst in der Insolvenz sind oder waren und ihre Erfahrungen teilen möchten.

Vielen Dank fürs Lesen und für jede Rückmeldung.
Es tut gut, das hier endlich einmal auszusprechen.


Ich danke euch!
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robo
Guru
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Beiträge: 1069
Registriert: 11. Mär 2023, 10:08

Re: Ich steige wahrscheinlich in 3-4 Monaten in die Insolvenz . Ich habe Angst. Erfahrungen und Feedback?

Beitrag von robo »

Such Dir im Netz einen Pfändungsrechner und mach Dir dann einen Plan, wie Du mit Deinem nicht-pfändbaren Einkommen auskommst. Dann weißt Du auch, ob eine Kolumbienreise noch drin ist.
Nr. 1 ist natürlich immer, dass die Miete bezahlt ist und das was im Kühlschrank ist.

Hast Du Unterhaltsberechtigte ? Ehepartner, Kind-er ?
Keinen guten Freund/gute Freundin, mit dem/mit der Du das Thema mal besprechen kannst ?

Nicht alle privaten Vermieter wollen eine SCHUFA-Auskunft, aber wenn ein Umzug ansteht, dann vermutlich:
Je eher - je besser.

Ja, die drei Jahre gehen schnell vorbei und das Leben danach ist wie das Leben davor. Es geht einfach weiter. Also solltest Du lernen, mit Deinem Einkommen auszukommen, sonst bist Du ja schnell wieder im Minus, wenn es Dich in jeden Ferien so weit weg wie möglich zieht.

Reden hilft.
Such Dir einen Menschen Deines Vertrauens.
Keinen Profi-Schuldnerberater, der auch nur Dein Geld will.

Viel Glück !
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Mickes1963
Mitglied
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Beiträge: 24
Registriert: 21. Aug 2025, 03:57

Re: Ich steige wahrscheinlich in 3-4 Monaten in die Insolvenz . Ich habe Angst. Erfahrungen und Feedback?

Beitrag von Mickes1963 »

Hallo, MM90,
schade, dass du keinen Termin bei der Caritas bekommen hast. Caritas oder Diakonie nehmen für ihre Arbeit kein Geld. Ich hoffe, du hast jetzt einen guten Schuldenberater, der dir nicht noch mehr Geld abknöpft.
Ich bin ebenfalls Beamtin und bin seit 6 Monaten in der Insolvenz. Sobald Dienstherr und Vermieter Bescheid wissen, gehts einem schon besser. Sobald du keinem Gläubiger mehr was zahlen musst, hört auch der Druck auf. Mit dem unpfändbaren Teil deines Gehalts sollte man gut über die Runden kommen, aber ich habe nach wie vor Probleme mit dem Geld auszukommen.Dispo etc.ist ja nicht mehr. Das ist sicher auch der Knackpunkt NACH derInsolvenz. Darüber musst du dir klar sein. Wichtig ist, mit jemandem reden zu können. Mir hat anfangs diese Community sehr geholfen 😊 Alles Gute für dich!!
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MM90
Neuankömmling
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Beiträge: 2
Registriert: 17. Jan 2026, 15:49

Re: Ich steige wahrscheinlich in 3-4 Monaten in die Insolvenz . Ich habe Angst. Erfahrungen und Feedback?

Beitrag von MM90 »

Vielen Dank für eure Antworten. Das Problem war bei der Caritas, dass Sie mir telefonisch erst mitgeteilt haben, dass sie erst am 25. Februar neue Termine vergeben werden. Und dieser Termin wird dann wahrscheinlich nicht vor März oder April sein für die Beratung. Das war meiner Situation einfach zu lange dafür abzuwarten, weil ich mehr und mehr in die Schulden getappt bin und mehr um mehr die Schlange um meinen Hals gespürt habe und unter Druck bin. Das war für mich sehr frustrierend, am Telefon so abgewiesen zu werden. Vor allem, als ich geschildert habe, dass ich Lehrer bin und gerne mitarbeiten würde, um zügig aus der Situation rauszukommen. Dann hab ich mich über die *kommerzieller Onlineanbieter* zu einer Kanzlei gewandt. Ja natürlich ist es frustrierend, jeden Monat gerade für die Kanzlei Geld zu überweisen. Aber andererseits bin ich die Situation auch schuld und muss natürlich dann auch das Geld schlucken. Dafür werde ich dann wahrscheinlich mit allem drum und dran zum 1. Juni in die Insolvenz gehen. Es sind einfach viele Dinge, die mich trotzdem noch belasten. Ich stehe im Sommer vor einem Umzug da weiß ich nicht wie ein potentieller neuer Vermieter drauf reagieren würde. Kann ich eine Bürgschaft über meine Familie im Notfall einleiten? Und ich plane im Sommer nach Kolumbien zu fliegen, der Flug ist bereits bezahlt allerdings die Hotels nicht aber mein Anwalt hat mir gesagt, solange ich noch nicht in der Insolvenz bin kann ich mit meinem Geld machen was ich will mit meinem neuen Konto dementsprechend könnte ich ja theoretisch die Hotels jetzt buchen, so dass ich quasi auf der sicheren Seite bin, wenn ich in der Insolvenz bin, um das eben damit recht zu fertigen, dass man ja theoretisch sein Geld nicht verschwendet, sondern für den Urlaub einsetzt. Das sind einfach viele Dinge wo ich mich frage was richtig ist und was falsch ist. Letztendlich kann mir ja niemand im Urlaub verbieten, oder? Aber ich kenne natürlich auch meine Situation.
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caffery
praktischer Schuldnerberater
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Beiträge: 2832
Registriert: 13. Aug 2018, 20:45

Re: Ich steige wahrscheinlich in 3-4 Monaten in die Insolvenz . Ich habe Angst. Erfahrungen und Feedback?

Beitrag von caffery »

Ich habe mir mal erlaubt den Namen des kommerziellen Anbieters - bei dem es insbesondere über deren Preisgestaltung nicht ausschließlich Anlass zur Kritiklosigkeit gibt - zu verfremden.

Außerdem muss ich sagen, dass ich den dargelegten Druck zwar verstehe und auf keinen Fall böse wirken will. Aber: 2-3 Monate Wartezeit für einen Termin bei einer kostenfreien Schuldnerberatung ist nach meinem Wissensstand fast ein Glücksfall. Wenn zudem noch ein Umzug und eine Weltreise bevorstehen bin ich mir nicht sicher ob es eine gute Idee war noch zusätzlich tausende für eine kommerzielle Beratungsagentur zu verbrennen - die dann auch "erst" in 4,5 Monaten (mal angenommen ein Antrag so schnell wie möglich sei in Deiner individuellen Situation überhaupt sinnvoll/erforderlich) den Antrag stellen.

Die Hotelbuchungen werden übrigens nicht allein dadurch unproblematisch, dass man sie vor Insolvenzeröffnung bucht/bezahlt. Für verschiedenste Rechtshandlungen wirkt eine Insolvenzeröffnung auch rückwirkend. Insbesondere dann, wenn die Höhe der Zahlungen das Unpfändbare Einkommen deutlich übersteigen (also im Prinzip Angespartes bei den Zahlungen "dabei" war) oder die Zahlungen bspw. von einem Nicht-P-Konto geleistet wurden. Auch könnte ein Insolvenzverwalter ggf. einfach von einem Rücktrittsrecht Gebrauch machen. Lass Dich also diesbezüglich lieber nochmal eingehender von Deinem Anwalt beraten.
Meinen beiden "Lieblingsgerichten" in NRW würde ich zudem ohne Weiteres zutrauen eine Stundung der Verfahrenskosten zu verweigern wenn solche Buchungen im Antrag/in den Kontoauszügen oder allgemein "im Raum" stehen.

Aber zu den grundsätzlichen Fragen: Ja. Menschen berichten eigentlich grundsätzlich, dass Insolvenzverfahren gefühlt wie im Flug vergehen und sie überrascht sind wie wenig Druck sie verspüren wenn sie sich im Verfahren befinden.
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imker
praktischer Schuldnerberater
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Beiträge: 1494
Registriert: 4. Okt 2018, 10:48

Re: Ich steige wahrscheinlich in 3-4 Monaten in die Insolvenz . Ich habe Angst. Erfahrungen und Feedback?

Beitrag von imker »

"...
Ich frage mich auch, ob es Bücher oder andere Hilfen gibt, die einen mental stärken. Kann man in dieser Zeit lernen, wieder ein normales, gesundes Verhältnis zu Geld und zum Leben zu entwickeln?
..."
Ich kenne dazu keine mentale Stärkung, die ich empfehlen mag.
Die Verbraucherzantralen machen das vergleichsweise "trocken" mit einem PLAN (https://www.verbraucherzentrale.de/wiss ... nzen-52179).
Mein Eindruck von "meinen" Schuldnern aus einem mit Dir vergleichbaren sozialen Umfeld: es wird geglaubt, das man das schafft und wenn die Sparkassen und Banken "Beamter" oder ähnliches sehen, dann gibt es Darlehen, die aus dem "freien" Einkommen objektiv nicht getilgt werden können - Abstriche am Lebensstil kommen nicht in Frage - aber das ist meine Sicht auf diesen Teilaspekt.

Ob gemeinnnützige Einrichtungen, die den Schuldner nichts zu kosten scheinen, besser oder schlechter sind als die kommerziellen, soll jeder für sich entscheiden - auch die "kostenlosen" kosten den Schuldner als Teil der Bevölkerung "Geld" - wir leben von staatlicher Finanzierung und damit von den Steuergeldern. Bei den kommerziellen ist halt das Gewinnstreben oft ein Problem und bei den gemeinnützigen ist oft die Vorstellung, das Verhalten der Schuldner von außen ändern zu können, ein Problem.

Bei Deiner Schilderung fällt mir unangenehm auf, dass Du an einen Erfolg der außergerichtlichen Schuldenbereinigung durch den Anwalt glaubst - oder ist das kein Anwalt, sondern ein Dienstleister mit Anwalt im Hintergrund - Du hattest dazu Angaben gemacht, aber dieses Detail ist mir nicht mehr präsent.

Welcher Betrag ist bei dem Anbieter monatlich fällig?
Wieviel ist bei Dir monatlich pfändbar und wie kannst Du mit dem verbleibenden Rest leben?

Nach der Antragstellung wird es Dir besser gehen oder du bist eine Ausnahmeerscheinung.
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