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Angst vor Verwehrung der Insolvenz / Versagung der Restschuldbefreiung

Verfasst: 29. Apr 2026, 10:20
von sleepless
Hallo zusammen,

ich würde mich über eine ehrliche Einschätzung zu meiner Situation freuen, da ich große Sorgen wegen einer möglichen Privatinsolvenz bzw. Restschuldbefreiung habe.

Ich hatte über viele Jahre einen gut bezahlten Job im Management und konnte meine laufenden Kreditraten immer problemlos bedienen. Finanziell war die Situation lange stabil.

Dann kam es jedoch zur Scheidung, zunehmend zu gesundheitlichen Problemen – sowohl körperlich als auch psychisch. Bei mir besteht eine bipolare Erkrankung mit manischen und schweren depressiven Phasen, zusätzlich körperliche Erkrankungen mit regelmäßigen Ausfällen. In den letzten Jahren hatte ich mehrfach längere Krankheitszeiten sowie stationäre psychiatrische Aufenthalte.

Dadurch bin ich aktuell krankgeschrieben und beziehe Krankengeld. Wenn ich wieder arbeitsfähig werde, ist nach jetzigem Stand nur noch eine Tätigkeit als normaler Angestellter mit einer 3-Tage-Woche realistisch. Es steht sogar eine mögliche Erwerbsminderungsrente im Raum. Damit würde ich mich unter der Pfändungsfreigrenze befinden, sprich es könnte nicht wirklich gepfändet werden - weil eine Unterhaltspflicht für drei Kinder besteht.

Nun zu meinem eigentlichen Problem:

- Vor einigen Jahren erhielt ich ca. 60.000 € aus einem Erbe / Familienvermögen.
- Später bekam ich nochmals ca. 50.000 € Unterstützung von meinen Eltern.
- Vor kurzem wurde außerdem eine fondsgebundene Lebensversicherung mit ca. 29.000 € ausgezahlt

Diese Gelder hätte ich objektiv betrachtet zur Entschuldung nutzen können. Leider habe ich mich in manischen Phasen meiner bipolaren Erkrankung irrational verhalten, impulsiv Geld ausgegeben, Dinge gekauft, teilweise Schulden bedient, teilweise Geld verlebt und insgesamt keine vernünftigen finanziellen Entscheidungen getroffen.

Heute ist die Situation so, dass ich meine bisherigen Verbindlichkeiten aufgrund des massiven Einkommensrückgangs kaum noch bedienen kann und eine Privatinsolvenz wahrscheinlich wird. Die Schulden belaufen sich auf ~ 60.000 € verteilt auf zwei Gläubiger (Bank, Kreditkarte).

Meine große Sorge ist nun:

Kann mir aufgrund dieser Vorgeschichte (Erbe, Geld der Eltern, Lebensversicherung, Geld in manischen Phasen ausgegeben) die Insolvenz erschwert werden oder sogar die Restschuldbefreiung versagt werden? Kann mir aus Gründen meiner beruflichen Situation ein Strick gedreht werden, weil ich vom besser Verdiener zum normal Verdiener abgerutscht bin?

Mir ist bewusst, dass vieles rückblickend falsch gelaufen ist. Ich versuche die Situation jetzt erstmals ehrlich, geordnet und mit professioneller Hilfe anzugehen. Termin bei der Schuldnerberatung steht bereits. Ich bin in fachärztlicher Behandlung und kann auch Atteste über die genannten Krankheiten nachweisen.

Vielen Dank vorab für jede sachliche Einschätzung.

Viele Grüße,
sleepless

Re: Angst vor Verwehrung der Insolvenz / Versagung der Restschuldbefreiung

Verfasst: 29. Apr 2026, 11:04
von Icke26
Hallo,

ja, das ausgeben von signifikantem Vermögen (insg. über 130.000 €) kurz vor einer Insolvenz ist ein kritischer Punkt. Die Insolvenzordnung (§ 290 InsO) nennt Vermögensverschwendung in den letzten drei Jahren vor Antragstellung als Versagungsgrund.
Vielleicht trifft das in deinem Fall nicht zu, aufgrund deiner Krankheiten, wenn du endsprechende Atteste vorlegen kannst, und somit nachweisen kannst, das die Verschwendung keine böse Absicht war.
Wenn du eine Insolvenz beabsichtigst, immer mit offenen Karten spielen, und nichts verheimlichen.
Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles Gute!!!

Re: Angst vor Verwehrung der Insolvenz / Versagung der Restschuldbefreiung

Verfasst: 29. Apr 2026, 13:26
von sleepless
Icke26 hat geschrieben: 29. Apr 2026, 11:04 Hallo,

ja, das ausgeben von signifikantem Vermögen (insg. über 130.000 €) kurz vor einer Insolvenz ist ein kritischer Punkt. Die Insolvenzordnung (§ 290 InsO) nennt Vermögensverschwendung in den letzten drei Jahren vor Antragstellung als Versagungsgrund.
Vielleicht trifft das in deinem Fall nicht zu, aufgrund deiner Krankheiten, wenn du endsprechende Atteste vorlegen kannst, und somit nachweisen kannst, das die Verschwendung keine böse Absicht war.
Wenn du eine Insolvenz beabsichtigst, immer mit offenen Karten spielen, und nichts verheimlichen.
Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles Gute!!!
Hallo,

herzlichen Dank für deine Antwort, ich hab gelesen - dass die Vermögensverschwendung innerhalb des letzten Jahres vor Verfahrenseröffnung stattgefunden haben muss … das würde ja dann nur die Lebensversicherung betreffen mit der ich teilweise Schulden beglichen und einen Puffer für evtl. Verfahrenskosten etc. gebildet hab.

Ich werde das Thema beim nächsten Termin mit meiner Schuldnerberatung adressieren.

Wenn mich das aber am Ende die Restschuldbefreiung kostet, war ja das ganze Verfahren für die Katz.

Vielleicht macht es dann sogar Sinn, erst mal Mahnverfahren, Beschlüsse, etc. auszusitzen und die Insolvenz zu einem späteren Zeitpunkt zu starten.

Viele Grüße,
sleepless

Re: Angst vor Verwehrung der Insolvenz / Versagung der Restschuldbefreiung

Verfasst: 29. Apr 2026, 13:38
von sleepless
EDIT: Das mit den 12 Monaten war wohl eine Fehlinformation, es sind tatsächlich 36 Monate. Allerdings hatte ich zu der Zeit noch einen hohen Verdienst, so dass eine Zahlungsunfähigkeit nicht absehbar war. Naja, wenn ich Pech hab, wird mich das die Restschuldbefreiung kosten. Dann ist die Frage ob es überhaupt Sinn macht, jetzt in Insolvenz zu gehen.