Seite 1 von 2

Einst war ich schuldenfrei

Verfasst: 12. Mär 2025, 08:13
von Gap0410
und das ist noch gar nicht so lange her.

Hallo erstmal und Danke für die Aufnahme.

Bis vor 4 Jahren hatte ich keine Schulden, sondern sogar ein paar Scheine in einer Whiskey-Dose und das trotz Unterhaltsverpflichtung gegenüber 3 Kindern.

Alles änderte sich als meine Partnerin und ich zusammen ein Haus gekauft haben. Wir sind zufällig dazu gekommen, war nicht geplant. Eine Bekannte meiner Partnerin ist ausgewandert und hat deswegen ihr Haus verkauft. Meine Partnerin war sofort Feuer und Flamme und wollte es unbedingt kaufen.

Ich war damals nicht der Meinung dass wir überhaupt eine Finanzierung bekommen, aufgrund meiner Unterhaltsverpflichtung. Auf ihr drängen hin, haben wir es probiert und es hat erstaunlicher Weise auf Anhieb geklappt.

Ganz kurios, das ganze lief über die Sparkasse, zu top Konditionen und die Abwicklung geschah, ohne jemals persönlich bei der Bank gewesen zu sein. Ein paar Emails und ein paar Telefonate und ein paar Wochen später, waren wir Hausbesitzer. Sogar die Kaufnebenkosten wurden mit finanziert.

Die Euphorie währte nicht lange. Bereits im zweiten Winter kamen wir in finanzielle Bedrängnis, weil sich die Preise für Pellets aufgrund der "Krise" verfünfachten. Wir wären binnen kürzester Zeit pleite gewesen, wenn ich nicht kurzerhand die Pelletöfen gegen gewöhnliche Holzöfen getauscht hätte. Somit konnten wir relativ günstig mit Holz heizen.

Kurz darauf der nächste Hammer, der Unterhalt für meine Kinder wurde dramatisch angehoben. Von einem Jahr auf's andere, 20% nach oben, bei gleichbleibendem Selbstbehalt. Zudem ging beinahe jeden Monat etwas anderes kaputt, sei es am Haus oder am Auto.

Ich kam immer stärker in Bedrängnis und nachdem Dispo, Kreditkarte usw. ausgeschöpft waren, sah ich mich gezwungen, einen Kredit in Höhe von 18.000€ aufzunehmen. Ich hatte mir erhofft, damit die Zeit überbrücken zu können, bis meine älteste Tochter in die Ausbildung geht und somit die Verpflichtung gegenüber den Kindern etwas geringer wird.

Allerdings hat die liebe Tochter ihre Ausbildung dann nach 3 Monaten hin geschmissen. Sprich ich musste wieder voll bezahlen. Der Unterhalt stieg natürlich Jahr für Jahr wieder an. Von den Lebenshaltungskosten ganz zu schweigen.

Ich habe mich mit Zweitjob und Co. dann irgendwie durchgeboxt. Die älteste ist zum Glück inzwischen raus aus dem Unterhalt, sprich ich zahle nur noch für 2 Kinder.

Nun kam es aber zum vergangenen Jahreswechsel zur Trennung zwischen meiner Partnerin und mir. Ich bin Weihnachten 2024 ausgezogen.

Nun stehe ich da, mit den Schulden an der Backe und den Kosten für das Haus und mir reicht mein Geld hinten und vorne nicht. Musste mir privat bereits 1500€ leihen, um die Kaution für die Wohnung zahlen zu können. Aktuell mache ich jeden Monat 400€ Minus und die Möglichkeiten sind nahezu ausgeschöpft. Sprich, der Aufschlag naht :(

Das große Problem an der Sache ist, das Haus lässt sich nur schwer verkaufen. Zum einen ist das Angebot in der Region deutlich größer als die Nachfrage. Zum anderen ist das Haus nicht im besten Zustand. Die Bekannte meiner Freundin hat uns gelinkt. Wir hatten schon nach wenigen Wochen Probleme mit Schimmel. Die Renovierungsarbeiten wurden teilweise unprofessionell gemacht. Fällt einem leider erst nachher auf. Und das größte Manko ist, es gibt keine Zentralheizung, nur die beiden Holzöfen.

Wir haben das Haus jetzt seit Weihnachten inseriert und die Nachfrage ist verschwindend gering.

Das Problem ist, wie gesagt, mir geht das Geld aus! Ich muss jetzt handeln, sonst tut's einen dumpfen Schlag. Ich weiß nur nicht recht, was ich machen soll.

Verkauf tut sich nichts. Vermieten möchten wir nicht.

Ich habe deshalb mit dem Gedanken gespielt, die Zahlung einzustellen und es gegen die Wand fahren zu lassen, mit anschließender Zwangsversteigerung und Privatinsolvenz. Ich sehe eigentlich fast keine andere Möglichkeit.

Wie würde sowas ablaufen? In PI könnte ich vermutlich erst, wenn die Versteigerung gelaufen ist und eine Restschuld fest steht, richtig? Ich habe aber gelesen, das kann bis zu 2 Jahre dauern, bis so eine Versteigerung durch ist. Was macht man in der Zwischenzeit?

Oder gibt es vielleicht doch noch einen "ehrlichen" Weg?

Bin dankbar für jeden Ratschlag!

Re: Einst war ich schuldenfrei

Verfasst: 12. Mär 2025, 21:17
von Nie_mehr_Schulden
Hallo erstmal.... :-)

zuallerst, auch eine Privatinsolvenz ist ein "ehrlicher" Weg.
Das Haus ohne Zentralheizung scheint ein Objekt zu sein, wo man als Käufer noch viel Geld reinstecken muss. Vom Schimmel mal ganz abgesehen.

Alles gegen die Wand laufen zu lassen ist natürlich nur die zweitbeste Möglichkeit, da nicht gesagt ist, das ein adäquater Preis erzielt wird. Am Ende hast du das Haus gefühlt verschenkt, aber an der finanziellen Situation hat sich nichts geändert.

Vielleicht gibt es Möglichkeiten bei der Gestaltung des Verkaufspreis. Aber das kann ich nicht beurteilen. Man sollte auf jeden Fall versuchen einen Verkauf zu realisieren. Falls das nicht funktioniert eine Schuldenberatung aufsuchen und sich dort weiter beraten zu lassen. Dort wirst du mit Sicherheit nicht der erste sein mit so einer Konstellation.

Re: Einst war ich schuldenfrei

Verfasst: 14. Mär 2025, 22:26
von El Torro
Hallo...
So war es bei mir vor 10 Jahren auch...
So musst du vorgehen..
Schuldnerberatung. .Termin für Privatinsolvenz machen
Pkonto einrichten.
Sofort alle Zahlungen einstellen,
Ausser natürlich deine Miete usw.
Irgendwann kommen Mahnungen usw..
Nicht drum kümmern
Ist die Insolvenz gestartet, wird der Vetwalter das Haus wahrscheinlich aus der Insolvenzmasse freigeben, weil er es auch nicht besser los wird..zumal ja auch die Bank noch die Finger drauf hat.
Komzentrier dich auf dich selbst...
MfG
El Torro

Re: Einst war ich schuldenfrei

Verfasst: 14. Mär 2025, 23:05
von mischa1981
Wie El Torro sagt, mach einen Termin bei der Schuldnerberatung, richte ein P Konto ein und zahle nur noch deine Fixkosten. Immobilien sind leider mit ein Grund, warum viele in der finanziellen Misere landen. Ein Haus würde ich in der Tat nur kaufen, wenn ich ein DICKES finanzielles Polster habe.
Scheidungen und Trennungen sind mit einer der Hauptgründe, dass danach die Finanzierung nicht mehr funktioniert. Denke mal, deswegen gehen viele auch auf Kapitalanlagen. Haus kaufen und vermieten.

Kann dir daher nur alles gute wünschen, dass es mit der PI funktioniert. Daher wie gesagt, macht so schnell wie möglich einen Termin bei der Schuldnerberatung aber nicht wundern, das kann durchaus Wochen bis Monate dauern, je nach Wohnort.

Re: Einst war ich schuldenfrei

Verfasst: 15. Mär 2025, 00:46
von Gap0410
Danke euch vielmals, das macht mir schon mal Mut.

Ich war in den letzten Wochen der Verzweiflung nahe. Kein leichtes Los!

Kontakt zur Schuldnerberatung habe ich bereits letzte Woche aufgenommen. Die Kollegin der Beratungsstelle hatte mir telefonisch zugesagt, dass sich ein Kollege bei mir melden wird und dass ich zeitnah einen Termin bekommen werde. Leider warte ich bislang auf deren Rückmeldung. Ich werde da am Montag noch einmal nachhaken.

Aber für's Verständnis. Was ich so aus eigener Recherche raus gelesen habe, war ich der Meinung, ich müsse erst die Zwangsversteigerung abwarten, bevor ich in die Insolvenz gehe.

Was hat es mit diesem freigeben aus der Insolvenzmasse auf sich?

Schuldnerberatung und P-Konto sind auf jeden Fall meine nächsten Schritte, das war der Plan.

Ich habe in dieser Situation allerdings noch ein weiteres mächtiges Problem! Wenn ich jetzt in die Insolvenz gehe, befürchte ich, lande ich auf der Anklagebank 😔

Der Kredit, den ich aufgenommen habe, um die magere Zeit zu überbrücken, wird mir vermutlich zum Verhängnis. Ich habe diesen damals online über Barclays abgeschlossen. Ich habe das Formular wahrheitsgemäß ausgefüllt, meine Kinder und auch deren Unterhalt angegeben. Als dann allerdings der Kreditantrag zur Überprüfung kam, habe ich gesehen, dass dort bei Kinder "null" stand. Und ja, ich muss zu meiner Schande gestehen, ich habe es dabei belassen und den Kreditvertrag abgeschlossen.

Meine Verzweiflung war einfach zu groß, als dass ich das Risiko eingehen konnte, das zu korrigieren und womöglich die dringend benötigte Finanzspritze dann doch nicht zu bekommen.

Das wird mir nun ziemlich sicher auf die Füße fallen.

Re: Einst war ich schuldenfrei

Verfasst: 17. Mär 2025, 04:07
von Gap0410
@caffery Danke für die Änderung. Das mit der Angabe der Beratungsstelle habe ich nicht bedacht.

Ansonsten wäre ich dankbar für weitere Ratschläge. Ziemlich verzwickte Situation.

Re: Einst war ich schuldenfrei

Verfasst: 17. Mär 2025, 13:40
von Shopgirl
Das wird mir nun ziemlich sicher auf die Füße fallen.
Davon würde ich nicht zwingend ausgehen. Das Kreditgeschäft ist ein Massengeschäft. Dass wirklich jemand den Vertrag noch einmal so genau prüft... Wie lange hast du den Kredit denn gezahlt? Je länger, desto weniger genau wird vermutlich hingesehen. Ein Restrisiko bleibt natürlich, aber ich sehe das nicht ganz so dramatisch wie du.

Re: Einst war ich schuldenfrei

Verfasst: 17. Mär 2025, 17:04
von Gap0410
Habe eben mal nachgeschaut, hatte das gar nicht mehr so recht auf dem Schirm, wie das genau gelaufen ist.

Im Mai 2023 habe ich 10.000€ aufgenommen und im Januar 2024 nochmal aufgestockt auf 15.000€.

Restlaufzeit sind 47 Monate, Restbetrag 14.100€.
Die 18.000€, von denen ich schrieb, sind inkl. Zinsen (7-8%).

Habe hier im Forum von solchen Fällen gelesen. Nur so kam ich überhaupt darauf.

Re: Einst war ich schuldenfrei

Verfasst: 17. Mär 2025, 17:19
von Gap0410
Ich sehe gerade, die Angaben über die Lebenssituation und das Einkommen, sind im Profil der Barclays App hinterlegt und lassen sich auch ändern. Macht es evtl. Sinn das nachträglich richtig zu stellen?

Re: Einst war ich schuldenfrei

Verfasst: 17. Mär 2025, 18:14
von Shopgirl
Ich würde da aktuell nichts mehr ändern. Es kommt darauf an, was im Vertrag steht.

Ich glaube aber tatsächlich nicht, dass das zwingend auffallen muss.